{"corpus":"steiner","locus":"GA 118/1910-01-25/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir die Menschenseele während des Tageslebens in der damaligen Zeit betrachten, so finden wir, daß sie sich noch nicht so recht als ein Ich fühlt. Der Mensch fühlt sich als ein Angehöriger seines Stammes, seines Volkes. Als ein Glied desselben, wie die Hand als ein Glied des Leibes, so stand das einzelne Ich ein für die ganze Gemeinschaft des Stammes und Volkes. Der Mensch empfand sich noch nicht als ein individuelles Ich, als das er heute sich fühlt. Das Volks-Ich, das Stammes-Ich war das, worauf man hinschaute. So lebte man während des Tages. Man wußte sozusagen noch nicht so recht, daß man ein Mensch ist. Wenn aber dann der Abend kam und man hinüberschlief, so verdunkelte sich das Bewußtsein auch nicht vollständig, wie das heute der Fall ist, sondern während des Schlafes war die Seele fähig, wahrzunehmen geistige Tatsachen; so zum Beispiel in ihrer Umgebung Tatsachen, von denen der heutige Traum nur ein Schatten ist, geistige Begebenheiten, geistige Tatsachen, von denen der heutige Traum in der Regel nicht mehr eine volle Wirklichkeit darstellt. Solche Wahrnehmungen hatten die Menschen, so daß die Menschen dazumal wußten: Es gibt eine geistige Welt. Den Menschen war die geistige Welt eine Wirklichkeit, aber nicht durch irgendeine Logik, durch etwas, was zu beweisen notwendig war, sondern weil sie ja jede Nacht, wenn auch mit einem dumpfen traumhaften Bewußtsein, in der geistigen Welt darinnen waren. Das war aber noch nicht die Hauptsache. Es gab außer dem Schlafen und dem Wachzustand auch noch Zwischenzustände, während denen der Mensch weder ganz schlief noch ganz wach war, wo dann zwar das Ich-Bewußtsein noch mehr aufhörte, als es bei Tage war, dafür aber auch jenes Wahrnehmen von geistigen Begebenheiten, jenes traumhafte Hellsehen noch wesentlich stärker war als sonst während der Nacht. So gab es Zwischenzustände, in denen die Menschen zwar ohne Selbstbewußtsein, aber doch mit Hellsichtigkeit begabt waren. Der Mensch war in solchen Zuständen damals wie entrückt, so daß er sozusagen von sich nichts wußte. Er wußte da nicht: Ich bin ein Mensch - wohl aber wußte er: Ich bin ein Glied einer geistigen Welt, darinnen kann ich wahrnehmen, ich weiß, daß es eine geistige Welt gibt. - Dieses waren die Erlebnisse der Menschenseele in der damaligen Zeit. Und noch viel heller, viel, viel heller war dieses Bewußtsein und dieses Leben in der geistigen Welt in der atlantischen Zeit. So daß wir also, wenn wir das überblicken, zurückschauen auf ein Zeitalter traumhaften, dämmerhaften Hellsehens unserer Seelen, das nach und nach abgenommen hat in der Menschheitsentwickelung.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der Ätherischen Welt","site_heading":null,"date":"1910-01-25","location":null,"word_count":415,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/118/1910-01-25/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/118/1910-01-25/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/118/1910-01-25/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1910-01-25_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}