Geisteswissenschaft als Vorbereitung auf das neue Äthersehen
Sie haben ja schon öfter gehört, daß zwei aufeinanderfolgende Inkarnationen eines Menschen nicht in beliebiger Weise sich folgen, sondern daß der Mensch, wenn er durch den Tod aus einem Erdenleben hinausgeschritten ist, erst dann wiederkehrt zu einem neuen Erdenleben, wenn er in diesem neuen Erdenleben Gelegenheit hat, Neues auf unserer Erde kennenlernen zu können, mit seiner Seele verbinden zu können. Das kann allerdings nur derjenige verstehen, der die Entwickelung unserer Erde nicht nur insoweit betrachtet, als sie sich sozusagen für ein paar Jahrhunderte oder Jahrtausende abspielt; nur derjenige kann das erst in der richtigen Weise einsehen, der den Blick über die Gesamtentwickelung der Erde hinwendet. Schon in bezug auf die äußeren physischen Verhältnisse werden wir, wenn wir uns auch auf äußere Quellen beschränken, einsehen lernen, wie das Antlitz der Erde sich in verhältnismäßig kurzen Zeiträumen verändert. Lesen Sie einmal nach, wie die Gegenden, in denen wir hier sind, ausgesehen haben etwa zur Zeit, als der Christus über die Erde gewandelt ist, und Sie werden finden, wie sich das ganze Antlitz dieser Gegend in verhältnismäßig wenig Jahrhunderten geändert hat. Und fragen Sie sich dann, wie sich verändert haben mögen im Laufe dieser wenigen Jahrhunderte die moralischen und die andern Kulturverhältnisse. Versuchen Sie sich einmal vor die Seele zu stellen, was zum Beispiel ein Kind gelernt hat etwa in der Zeit, in der unsere Zeitrechnung begonnen hat, und was es heute lernt. Machen Sie sich das alles klar und erinnern Sie sich dann aus den anthroposophischen Lehren selber, daß wir zurückblicken können in ururferne Vergangenheiten, in denen das Antlitz der Erde noch ganz anders ausgesehen hat, in denen zum großen Teil jene Kontinente noch nicht da waren, die es heute gibt, dafür aber ein mächtig ausgedehnter Kontinent an der Stelle war, die heute der Atlantische Ozean einnimmt. Und denken Sie daran, was alles vorgegangen sein muß im Laufe von langen, langen Zeiträumen, um das Antlitz der Erde in dieser Weise zu ordnen, wie es heute geordnet ist. Wenn Sie das alles vor Ihre Seele treten lassen, so müssen Sie sich sagen: Es gibt die Möglichkeit, daß die Seelen immer Neues erleben, immer neue Früchte des Daseins unserer Erde in sich aufnehmen und diese Früchte dann mit ihrem eigenen Leben vereinigen, um dann durch ein geistiges Leben zwischen Tod und neuer Geburt hindurchzugehen. Und wenn wiederum die Verhältnisse sich so geändert haben, daß Neues gelernt werden kann und neuerdings wieder herunterzukommen auf unsere Erde sich verlohnt, dann kommen die Seelen auch wirklich wieder zur Verkörperung.
Cite:
GA 118/1910-01-27/p007 · edition original