Geisteswissenschaft als Vorbereitung auf das neue Äthersehen
In all diesen Zeiträumen waren unsere Seelen schon vorhanden, in andern Körpern vorhanden, hatten aber immer andere Fähigkeiten. Und wenn wir zurückgehen könnten, würden wir finden, daß unsere Seelen dazumal mit einem hohen Grad hellseherischer Empfänglichkeit begabt waren, insbesondere in gewissen Zwischenzuständen zwischen Schlafen und Wachen Zeugen waren einer geistigen Welt, hineinschauen konnten in die geistige Welt. Wenn Sie zurückgehen könnten, würden Sie finden, wie Sie die Tatsachen und die Wesenheiten der geistigen Welten selber sahen. Damals gab es für die Menschenseelen keine Versuchung, keine Möglichkeit sogar, die geistige Welt zu leugnen, denn sie haben sie gesehen, denn sie waren nur in einigen Tagesstunden herausgewandt in die physische Welt. Die Gegenstände der äußeren physischen Welt waren noch nicht sichtbar wie in späteren Zeiten eingeordnet. Daher, wenn die Menschen in diesen Zwischenzustand zwischen Schlafen und Wachen kamen, dann hatten sie um sich herum die Welt, die sie als die geistige empfinden mußten, die ihnen die Überzeugung geben mußte: Aus dieser Welt entstammt der Mensch. Er ist heruntergestiegen aus ihr, um sich in der physischen Welt etwas zu erwerben, was er in der geistigen Welt allein nicht hätte erwerben können. Was hat er sich denn erwerben können in dieser äußeren Welt, das er nicht auch schon in der geistigen Welt hätte haben können? Was sie nicht hatte, die geistige Welt, das war die Möglichkeit, Selbstbewußtsein zu entfalten, die Möglichkeit, zu sich Ich zu sagen. Das hatte die Menschheit nicht. Es war sozusagen der Mensch außerhalb seiner selber gerade in den wichtigsten Momenten seines Lebens, wie in einem Zustande von Entrücktheit, wo er gar nicht einmal wußte, daß er eine selbständige innerliche Individualität war. Hingegeben war er an die geistige Welt. Sich als Ich zu empfinden, das konnte der Mensch nur hier lernen in dieser physischen Welt, ein richtiges Selbstbewußtsein konnte er nur hier empfangen. Und mit diesem Selbstbewußtsein ist unzertrennlich verbunden dasjenige, was wir Urteilskraft, unser heutiges Denken und unsere Wahrnehmungsfähigkeit nennen. So mußte der Mensch seine frühere Verbundenheit mit der geistigen Welt, sein altes dämmerhaftes Hellsehen hingeben, um sich die Möglichkeit aneignen zu können, sich als Ich zu unterscheiden von der Umwelt und dadurch überhaupt zum Ich, zum Selbstbewußtsein zu kommen.
Cite:
GA 118/1910-01-27/p013 · edition original