Geisteswissenschaft als Vorbereitung auf das neue Äthersehen
Wir würden noch in die atlantische Zeit zurückkommen, wenn wir das Krita Yuga bis zu seinem Anfange zurückverfolgen. Demgegenüber fällt das Treta Yuga noch in die Zeit der heiligen Rishis, das heißt in die indische, zum Teil aber auch in die urpersische Kultur. Dvapara Yuga dagegen fällt mit den späteren Kulturepochen zusammen, den chaldäisch-babylonisch-assyrisch-ägyptischen Zeiten. Da war noch immer ein gewisser Grad alten dämmerhaften Hellsehens vorhanden. Und der Zeitpunkt, in dem langsam und allmählich der vollständige Verschluß des Tores gegenüber der geistigen Welt nach und nach immer gründlicher und gründlicher beginnt, die Menschheit auf den physischen Plan sozusagen zu beschränken, der Anfang dieses Zeitalters fällt in das Jahr 3101 vor unserer Zeitrechnung, das heißt bevor der Christus Jesus über die Erde gewandelt ist. So daß wir also etwas über 3000 Jahre vor dem Christus-Ereignis ein Zeitalter eintreten sehen, welches allmählich aus uns gemacht hat das, was wir heute sind. Wenn wir wissen, daß in dieses Zeitalter hinein die wichtigste Tat der ganzen Erdenevolution fällt, die Tat des Christus, können wir die ganze Bedeutung dieser Tat würdigen. Wie waren denn die Menschen in jenem Zeitalter, dem Kali Yuga, als der Christus auf die Erde herniederstieg ? Sie waren bereits mehr als 3000 Jahre in einer Entwickelung, die sie beschränkte auf die physische Welt, die sie beschränkte, zwischen Geburt und Tod nur dasjenige in sich aufzunehmen, was ihnen in dieser physischen Welt dargeboten wurde, was sich ihnen in dieser physischen Welt darstellte. Wäre diese Entwickelung so fortgegangen, so wäre zwar das Ich-Bewußtsein der Menschen immer stärker und stärker geworden, aber lediglich in das Egoistische hinein. Lediglich ein Genußling, ein Begierdewesen wäre der Mensch geworden, der frostig alles in sein Ich eingeschlossen hätte. Das Bewußtsein, daß es eine geistige Welt gibt, hätte er vollständig verloren, wenn nichts anderes eingetreten wäre. Was ist da eingetreten? Die ganze Bedeutung dessen, was da eingetreten ist, tritt uns vor die Seele, wenn wir einmal verstehen, daß es für die Erdenentwickelung wirklich Übergangszeiten gibt. Manche Leute, die bloß spekulieren, die bloß eine abstrakte Philosophie treiben oder sonst irgendeine andere Ideologie pflegen, die nennen oft jedes Zeitalter eine Übergangszeit, und man kann fast jede Zeit, so weit man zurückgehen kann in der Zeit seit der Erfindung der Buchdruckerkunst, seit so viel gedruckt worden ist, ein Übergangszeitalter genannt finden. Derjenige, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, wird nicht so freigebig sein mit diesem Wort, denn Übergangszeiten sind nur jene Zeiten, in denen wirklich Wesentlicheres, Entscheidenderes geschieht als in den übrigen Zeitaltern.
Cite:
GA 118/1910-01-27/p021 · edition original