{"corpus":"steiner","locus":"GA 118/1910-01-27/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So aber läuft insbesondere das geistige Leben in Sprüngen ab. Es geschehen im Laufe der geistigen Entwickelung große, bedeutende Sprünge. Dann geht das Leben wiederum einen allmählichen Gang fort, dann geschehen wiederum bedeutende geistige Sprünge. Ein solcher gewaltiger Sprung für das Leben der Menschheit - nicht nur für diejenigen, welche um den Christus waren - ist eben geschehen in der Zeit, als der Christus auf der Erde wandelte. Und in diesem Sinn dürfen wir das Zeitalter, in dem der Christus in Palästina lebte und lehrte, ein Übergangszeitalter nennen. Sagen Sie nicht, daß alle Menschen leicht solch einen Sprung, solch einen Übergang bemerken müssen. Oh, es kann sich das Wesentlichste, was in einer Zeit geschieht, für die Augen der Zeitgenossen völlig verbergen, es kann an ihnen vorübergehen, ohne daß sie etwas davon bemerken. Wissen wir doch, daß einst ein solches Ereignis an Millionen und aber Millionen spurlos vorübergegangen ist. Wissen wir doch, daß Tacitus, dieser bedeutende römische Schriftsteller, an einer Stelle seines Werkes von den Christen wie von einer verborgenen Sekte schreibt, daß zum Beispiel fast hundert Jahre, nachdem das Christentum sich schon über die südlichen Gegenden Europas ausgebreitet hatte, in Rom ganz Merkwürdiges erzählt wurde von dem Christentum. Es gab also in Rom um diese Zeit Gesellschaftskreise, die wußten nichts anderes von dem Christentum, als eine sie störende Sekte sei da, es gebe eine Sekte in einer abgelegenen Winkelgasse, geleitet von einem gewissen Jesus, und der stifte sie zu allerhand Untaten an. Das ist eine Erzählung, die - bereits ein Jahrhundert nachdem das Christentum schon vorhanden war - in Rom umging. So spurlos vorübergegangen ist an einer großen Anzahl von Menschen das bedeutendste Ereignis nicht nur jener Zeit, sondern der ganzen Menschheitsentwickelung. Wir müssen uns vorstellen können, daß in der Tat, während die Menschen nichts, gar nichts merken, Wichtigstes, Bedeutungsvollstes geschehen kann. Wenn daher die Menschen sagen, wir leben in einer Zeit, in der nichts Wesentliches, Wichtiges geschieht, so ist das kein Beweis dafür, daß diese Menschen wirklich recht haben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Geisteswissenschaft als Vorbereitung auf das neue Äthersehen","site_heading":null,"date":"1910-01-27","location":null,"word_count":330,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/118/1910-01-27/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/118/1910-01-27/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/118/1910-01-27/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}