Innere Evolution Und Äussere Entwickelungsmöglichkeiten
Wenn man das so hört, was jetzt eben gesagt worden ist, dann muß man sich als Geistesforscher sagen: Geisteswissenschaft, wenn man nur ein wenig von ihr begriffen hat, muß einem erscheinen als etwas, was man nicht betreibt zu seiner Liebhaberei, weil es einem gefällt, weil man durch sie eine subjektive Befriedigung, Beseligung findet, sondern man muß, wenn man ein wenig herangetreten ist an ihre tieferen Seiten, Geisteswissenschaft treiben als Pflicht, als Pflicht gegen die ganze Menschheit. — Denn diejenigen Weltanschauungen, die heute die herrschenden sind, sie führen dazu, das Leben immer weniger und weniger zu verstehen. Man wird das Nichtleben immer besser verstehen. Und um das Nichtleben immer besser zu verstehen, ist ja der Materialismus eine Zeitlang notwendig gewesen. Aus dem bloßen Verständnisse des Lebens heraus würde man niemals Dampfschiffe, Eisenbahnen, Tunnels haben bauen können. Auch unsere äußere, auf das Physische gerichtete Wissenschaft so weit zu führen, als sie heute ist, und weitere Fortschritte auf diesem Gebiete zu machen, würde man nicht haben hoffen können.
Cite:
GA 118/1910-01-30/p011 · edition original