Die Geheimnisse Des Weltenalls Kometarisches Und Lunarisches
Hier haben Sie ein Beispiel, an dem sich zu gleicher Zeit zeigt, wie unendlich wichtig es ist, nicht einseitig in der Betrachtung zu werden. Man kann noch so sehr die Knochen des Menschen zählen und die Knochen der höheren Säugetiere zählen und die Muskeln zählen beim Menschen und den Säugetieren, und man kann dadurch jenen Zusammenhang herstellen, welcher in der neueren Zeit für eine gewisse Weltanschauung dazu geführt hat, den Menschen möglichst nahe an die höheren Säugetiere heranzurücken. Daß so etwas geschehen kann, rührt lediglich davon her, daß die Menschen erst durch die Geisteswissenschaft lernen werden, wie wichtig es ist, nicht bloß Wahrheiten zu haben, sondern zu den Wahrheiten noch etwas hinzu. Seien Sie sich bewußt, daß jetzt in diesem Moment etwas sehr Wichtiges gesagt wird, etwas, was sich der Anthroposoph wohl ins Gedächtnis und ins Herz schreiben sollte: Wahr sind viele Sachen, aber bloß zu wissen, daß eine Sache wahr ist, das genügt noch nicht! - Es ist gar kein Zweifel, daß es wahr ist, was zum Beispiel die neuere Naturwissenschaft über die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen sagt. Aber es kommt bei einer Wahrheit nicht bloß darauf an, daß man sie als Wahrheit hat, sondern daß man weiß, wie wichtig man die betreffende Wahrheit nehmen muß für die Gesamterklärung des Daseins. Also das genügt nicht, daß man irgendwie etwas als eine Wahrheit hat, sondern man muß wissen, wie wichtig eine Wahrheit für die Gesamterklärung des Daseins ist. Und da kann eine ganz gewöhnliche, scheinbar alltägliche Wahrheit nur deshalb nicht zum Ausschlaggebenden gerechnet werden, weil man sie eben nicht in ihrer Wichtigkeit betrachtet. Es gibt eine ganz alltägliche Wahrheit, die jeder Mensch kennt und die man nur in ihrer Wichtigkeit nehmen muß, dann wird sie tief, tief bedeutsam für unsere ganze irdische Entwickelungslehre. Das ist die Wahrheit, daß der Mensch das einzige Wesen ist auf der Erde, welches prinzipiell wirklich frei das Antlitz in den Weltenraum hinausrichten kann. Wenn wir den Menschen in dieser Beziehung vergleichen mit dem ihm nächststehenden Affen, so können wir doch nur sagen: Wenn auch der Affe versucht hat sich aufzurichten, so hat er eben dieses Aufrichten doch verpfuscht. - Und das ist es, worauf es ankommt. Man muß nur das Gewicht einer Wahrheit einsehen. Daß der Mensch diesen Vorzug hat, das muß man zunächst in seiner Wichtigkeit empfinden, dann wird man es in seiner Wichtigkeit auch zusammenbringen mit der andern eben charakterisierten Weltentatsache: daß es nun nicht die Erde allein ist, sondern die Sonne im Gegensatz zur Erde, das heißt also ein Außerirdisches, das den Menschen zu einem Bürger des Himmelsraumes zunächst macht, ihn entreißt dem irdischen Dasein. Und wir dürfen in gewisser Weise sagen: Um dem Menschen diese Vorzugsstellung in unserem Weltenall zu geben, mußte diese ganze kosmische Einrichtung gemacht werden, die wir heute als Gegensatz von Sonne und Erde kennen. Um des Menschen willen, damit er aufgehoben werden konnte aus der Lage der Tiere, mußte diese Konstellation von Sonne und Erde bewirkt werden.
Cite:
GA 118/1910-03-05/p011 · edition original