Das Wiedererscheinen Des Christus Im Ätherischen
Dann folgte das Zeitalter, das die Wiederauflebung des Moses-Zeitalters genannt werden kann. Auf das salomonische Zeitalter nach Christus folgte das Moses-Zeitalter. Und wenn wir in das zweite nachchristliche Jahrtausend heraufkommen, so ist es der Geist des Moses, der wiederum die Besten dieses Zeitalters durchdringt. Ja, wir können diesen Geist des Moses in neuer Gestalt wieder aufleben finden. Während der Geist des Moses in der vorchristlichen Zeit den Blick hinausgerichtet hat in die Welt nach der äußeren physischen Natur, um das Welten-Ich, den Weltengott als Jahve, eben als Welten-Ich zu finden, zu finden in Blitz und Donner, zu finden in demjenigen, was einströmen kann von außen als das große Gesetz des menschlichen Handelns, wie da gleichsam von außen hereinströmt zu Moses das Welten-Ich, wie das Welten-Ich sich also gleichsam von außen offenbart, so finden wir, daß sich im zweiten nachchristlichen Zeitalter dafür von innen dieselbe Wesenheit im Innern der Seele ankündigt. Der Eindruck, der sozusagen als ein äußeres Ereignis für den Moses da war, als er sich von seinem Volk entfernte, um den Dekalog zu vernehmen, dieses bedeutsame Ereignis wiederholt sich. Es wiederholt sich im zweiten nachchristlichen Jahrtausend durch eine mächtige innere Offenbarung. Die Dinge wiederholen sich eben nicht in derselben Weise, sondern so, daß eben dasjenige, was aufeinander folgt, sich ausnimmt wie eine Art Polarität. Hatte sich also für Moses aus den Naturelementen der Gott geoffenbart, so offenbarte er sich jetzt in dem zweiten nachchristlichen Jahrtausend aus den tiefsten Untergründen der menschlichen Seele heraus. Und wie könnte uns denn das großartiger entgegentreten, als wenn wir hören, wie ein bedeutsamer und großartig angelegter Mensch predigte, so predigte, daß man hörte: Er verkündet aus den Tiefen seiner Seele heraus gewaltige Dinge. Voraussetzen kann man, daß er tief durchdrungen ist von dem, was man christliche Mystik nennen kann. Dann kommt in denselben Ort, in dem er predigt, ein scheinbar unbedeutender Laie, der sich zuerst die Predigten anhört, sich aber dann herausstellt als einer, der nicht Laie zu sein braucht, sondern der der Lehrer des Predigers Tauler werden kann, der den Prediger Tauler veranlaßt, trotzdem dieser auf solcher Höhe stand, eine Weile auszusetzen mit seinen Predigten, weil er sich doch nicht voll durchdrungen fühlt von demjenigen, was in jenem Laien lebt. Und als dann derselbe Prediger, nachdem er sich hat inspirieren lassen, den Predigerstuhl wiederum besteigt, da wird uns der gewaltige Eindruck seiner Predigt symbolisch zum Ausdruck gebracht, indem es heißt, daß viele seiner Zuhörer wie tot hinfielen. Das heißt, es wird in ihnen ertötet, was niedere Natur war. Es war eine Offenbarung des Welten-Ich von innen heraus, mit ebensolcher Gewalt von innen heraus, wie in dem zweiten Zeitalter vor Christus bei Moses aus den Elementen heraus. So sehen wir das Moses-Zeitalter da wieder aufleben, und zwar so, daß den ganzen Geist der christlichen Mystik, von Meister Eckhart bis herauf zu den späteren christlichen Mystikern, dieser Geist des Moses durchstrahlte und durchlebte. Oh, er lebte in diesen christlichen Mystikern, der Geist des Moses! Er war sozusagen so da, daß er sich in ihre Seelen hineinlebte. Das war das zweite Zeitalter der nachchristlichen Zeit, in dem der ganze Charakter auch des Moses-Zeitalters wieder auferstand. So wie im ersten Jahrtausend der nachchristlichen Zeit das salomonische Zeitalter gebracht hat all die Ausgestaltungen sozusagen der christlichen Mysterienanschauung, alles dessen, was wir zum Beispiel im christlichen Sinn als die Hierarchien kennen, ausgestaltet hat sozusagen die Weisheit über die höheren Welten im einzelnen, so gestaltete insbesondere das zweite Moses-Zeitalter dasjenige aus, was die deutsche Mystik war: das tiefe mystische Bewußtsein von dem Einheitsgott, der in der menschlichen Seele auferweckt werden kann, der in der menschlichen Seele auferstehen kann.
Cite:
GA 118/1910-03-06_02/p013 · edition original