Das Wiedererscheinen Des Christus Im Ätherischen
Machen wir uns einmal klar, was dieses Ereignis für den Paulus zu bedeuten hatte. Paulus war bis zu diesem Ereignis sozusagen bekannt mit alldem, was der althebräischen Geheimlehre eigen war. Was wußte der Paulus? Der Paulus wußte aus seiner althebräischen Geheimlehre, daß einstmals eine Individualität heruntersteigen werde, welche für die Menschheit darstellen wird denjenigen, der den Tod überwinden wird. Er wußte: Es wird einmal eine Individualität im Fleisch erscheinen, diese wird durch ihr Leben zeigen, daß der Geist über den Tod hinaus so lebt, daß der Tod eben für diese Individualität innerhalb ihrer Erdeninkarnation nichts anderes bedeutet als ein anderes physisches Ereignis. Das wußte er. Und er wußte noch etwas anderes aus seiner althebräischen Geheimlehre. Er wußte, daß dann, wenn der Christus, der da kommen sollte, der Messias, im Fleisch dagewesen ist, wenn er auferstanden sein wird, sozusagen den Sieg davongetragen haben wird über den Tod, dann die geistige Sphäre der Erde sich verändert haben wird, dann das Hellsehen eine Veränderung erfahren haben wird. Während vorher ein Hellseher in der geistigen Atmosphäre der Erde die Christus-Wesenheit nicht gesehen hat - die konnte er nur sehen bei dem Blick zum Sonnengeist -, so mußte, das wußte Paulus, durch den Christus-Impuls diejenige Veränderung eintreten für das Erdendasein, daß dann nach dem Sieg über den Tod für das hellseherische Bewußtsein der Christus in der Erdensphäre zu finden ist. Wird also der Mensch hellseherisch, so muß er in der Erdensphäre den Christus als den wirksamen Erdgeist sehen. Wovon aber Paulus sich nicht überzeugen konnte, als er noch Saulus war, das war, daß derjenige, welcher da gelebt hat in Palästina, am Kreuz gestorben ist, von dem seine Jünger sagten, er wäre auferstanden, daß der wirklich derjenige war, von dem die althebräische Geheimlehre gesprochen hatte. Das ist das Bedeutsame, daß Paulus nicht überzeugt worden ist durch das, was er physisch gesehen hat von demjenigen, was in den Evangelien erzählt ist. Er fing erst an, die Überzeugung zu haben, daß der Christus auch der vorhergesagte Messias ist, als eben an ihm sich zeigte jenes vorausgeworfene Licht, als er wie durch eine Gnade von oben hellseherisch wurde und den Christus in der Erdensphäre entdeckte. Er ist also schon dagewesen, er ist schon auferstanden, mußte er sich sagen. Indem Paulus selber hellseherisch den Christus gesehen hat in der geistigen Erdensphäre, wußte er: Jetzt ist er da. - Von dem Augenblick an war die Überzeugung in ihm da von dem Christus Jesus. Also das Grundereignis war, daß er hellscherisch in der Erdensphäre den Christus Jesus entdeckt hat im Ereignis von Damaskus. Wenn also Paulus zum Beispiel nicht mehr in Palästina die Taten des Christus Jesus hätte erzählen hören können, wenn er nicht aus persönlicher Erfahrung die Evangelien hätte hören können, sondern wenn er etwas später gelebt hätte, so hätte es sein können, daß er eben nur später dieses Christus-Ereignis von Damaskus erlebt hätte. Dann würde er aber zu derselben Überzeugung gekommen sein. Denn dieses Ereignis, das offenbarte ihm die Tatsache: Der Christus war da! Und der sich da in der Erdensphäre offenbart, das ist derjenige, von dem die althebräische Geheimlehre redet! - Dieses Christus-Ereignis ist nicht an einen Zeitpunkt gebunden. Es ist bei Paulus nur sehr rasch erfolgt [nach dem Mysterium von Golgatha], damit das Christentum durch Paulus seinen Lauf machen konnte.
Cite:
GA 118/1910-03-06_02/p022 · edition original