Die Bergpredigt Das Land Schamballa

GA 118/1910-03-15/p004 ·1910-03-15 · original (original)
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Der Mensch konnte nicht nur sehen das Reich der Mineralien, Pflanzen und Tiere, sowie sich selbst innerhalb des physischen Menschenreichs, sondern er konnte in einem Zustand zwischen Wachen und Schlafen eine göttliche Welt sehen. Er nahm sich dann wahr als deren unterstes Glied, als ein unterstes Reich in der Hierarchienfolge, über sich die Engel, die Erzengel und so weiter. Er wußte dieses durch sein Erleben, so daß es für ihn ein Unsinn gewesen wäre, diese geistige Welt abzuleugnen, wie es heute ein gleicher Unsinn sein würde, das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich abzuleugnen. Nicht war es aber so, daß der Mensch nur als Erkenntnis hatte, was ihm an Wissen aus diesem Reiche zuströmte, sondern er hatte auch die Möglichkeit, sich mit den Kräften dieses Reiches der geistigen Welt zu durchdringen: Er war dann in Ekstase, sein Ich-Gefühl war unterdrückt, aber die geistige Welt floß förmlich in ihn ein. Es hatte der Mensch daher nicht nur ein Wissen, eine Erfahrung, sondern wenn er zum Beispiel eine Krankheit hatte, so konnte er mittels der Ekstase sich Erfrischung und Gesundung holen. Diejenigen Zeitalter, in denen der Mensch noch einen unmittelbaren Zusammenhang mit den geistigen Welten hatte, nannte die orientalische Weisheit: Krita Yuga, Treta Yuga, Dvapara Yuga. Im letzteren war ein unmittelbarer Einblick in die geistigen Welten nicht mehr möglich, sondern nur eine Erinnerung, wie bei einem Greise an seine Jugend. Dann wurden die Tore der geistigen Welt gleichsam geschlossen. Der Mensch konnte in normalen Bewußtseinszuständen mit der geistigen Welt nicht mehr verkehren. Und es kam die Zeit, in welcher der Mensch sich nur auf Grund einer langen, strengen Vorbereitung in der Geheimschulung zu der geistigen Welt hinwenden konnte. Während Kali Yuga kam manchmal etwas von der geistigen in die physische Welt herein. Das kam aber dann meistens nicht von den guten Mächten, sondern es war gewöhnlich dämonischer Natur. In allen Persönlichkeiten, die uns die Evangelien schildern als mit eigenartigen Krankheiten behaftet, die man Besessenheit nannte, sind diese Erkrankungen auf dämonische Wirkungen zurückzuführen. In ihnen haben wir den Einfluß böser geistiger Wesenheiten zu erkennen. Das kleine Kali Yuga beginnt etwa im Jahre 3000 vor Christus und charakterisiert sich dadurch, daß sich nach und nach vor dem normalen Bewußtsein die Tore der geistigen Welt völlig verschlossen, so daß man alle Erkenntnisse aus der sinnlichen Umwelt holen mußte. Wenn das so fortgegangen wäre, dann würde dem Menschen der Zusammenhang mit der geistigen Welt völlig verlorengegangen sein. Bis dahin hatte der Mensch doch noch etwas an Erinnerungen auf dem Wege der Tradition aufbewahrt; aber jetzt verlor er auch darin immer mehr den Zusammenhang. Denn auch der Lehrer, obgleich Bewahrer der Tradition, konnte ihm nicht mehr unmittelbar von der geistigen Welt erzählen. Die Aufnahmefähigkeit dafür war nicht mehr vorhanden. Die Erkenntnisse der Menschheit erstreckten sich immer mehr nur auf das Materielle.

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Cite: GA 118/1910-03-15/p004 · edition original