V. Höhere Welten und Ihr Zusammenhang mit der Unsrigen

GA 118/1910-04-12/p006 ·1910-04-12 · original (original)
Record: listeners' notes. This text is a newspaper's or a listener's report of the lecture, not a transcript. The wording is the reporter's: do not quote it as Steiner's own words. Evidence: «Notizen aus dem Vortrag». The unit's own header line in the edition served.

Welche Bedeutung hat denn das Schlafen überhaupt für den Menschen, müssen wir uns nun fragen, was geschieht mit ihm, weshalb verläßt er den Körper? Und wie kann letzterer ohne ihn leben? - Der eigentliche, innere Mensch, dessen stofflicher Ausdruck und Werkzeug der äußerliche, physische Leib ist, bemerkt, wenn er einschläft, wie die ganze Außenwelt aus seiner Wahrnehmung schwindet, wie er nach und nach unempfindlich wird gegen alle Sinneseindrücke, die er tagsüber empfangen hat, und wie alle seelischen Empfindungen, Freude und Schmerz, völlig verblassen. Wir müssen uns darüber klar werden, daß der innere Mensch, der vermittels der physischen Sinne wahrnimmt, zugleich der Träger ist von Lust und Leid, von Haß und Liebe, und nicht etwa der physische Leib. Wir könnten nun einwenden: Wenn es sich so verhält, woher kommt es denn, daß dieser innere Mensch beim Verlassen des Körpers die in ihm haftenden Empfindungen des Schmerzes oder der Freude nicht beibehält in der astralen Welt? Der Grund liegt darin, daß er zum Wahrnehmen der Tatsachen seines inneren Lebens im physischen Körper sein muß, der ihm wie ein Spiegel seine Gemütsbewegungen reflektiert und zum Bewußtsein bringt. Mit dem Verlassen des Spiegels erlischt das Bild der Eindrücke und der Mensch wird sich ihrer nicht eher wieder bewußt, als bis er von neuem in den Körper sich zurückgezogen hat. Es besteht somit eine beständige Wechselwirkung zwischen dem inneren und äußeren Menschen.

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