V. Höhere Welten und Ihr Zusammenhang mit der Unsrigen

GA 118/1910-04-12/p013 ·1910-04-12 · original (original)
Record: listeners' notes. This text is a newspaper's or a listener's report of the lecture, not a transcript. The wording is the reporter's: do not quote it as Steiner's own words. Evidence: «Notizen aus dem Vortrag». The unit's own header line in the edition served.

Dreierlei sieht der Seher: Die Fähigkeiten, welche der Mensch bei der Geburt mitgebracht hat, dann die neuen Fähigkeiten, die er im Leben erworben und sich hat einverleiben können und schließlich die Summe derjenigen Kräfte, die in die Leiblichkeit nicht haben eindringen können und der Entfaltung warten. Diese letzteren bilden etwas wie eine Opposition zur äußeren Leiblichkeit und wirken als Gegenkraft auf sie ein. Es ist dies die wichtigste Kraft, die nicht in Harmonie steht zu unserem Leben im physischen Körper. Sie löst ihn allmählich auf und läßt ihn hinsiechen und sucht ihn abzustreifen wie eine lästige Fessel; sie sucht ihn fortzulegen wie ein Werkzeug, das nicht mehr geeignet ist, die steigenden Anforderungen zu erfüllen. Sie ist die Ursache, daß unser Leib gleich der Blume hinwelkt, die Blatt auf Blatt verliert und in der nichts leben bleibt als ein neues Samenkorn. Im Menschen sieht der Hellseher ähnliches: Es ist für seinen Blick, wie wenn gegen die zweite Hälfte des Lebens alles Erworbene sich im menschlichen Inneren zusammenzöge, unfähig, sich zu entfalten, gleich einem Samenkorne, das einen kleinen Keim für den nächsten Frühling in sich birgt. So sieht der Hellsehende in jedem Sterbenden einen Keimenden. In jedem von uns, tief verborgen, formt sich der Same zum neuen Leben.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/118/1910-04-12/p013.json
Cite: GA 118/1910-04-12/p013 · edition original