V. Höhere Welten und Ihr Zusammenhang mit der Unsrigen
In vollem Bewußtsein erntet er die Früchte des vergangenen Lebens und arbeitet auf dem geistigen Plane aus, was er auf dem physischen nicht verwerten konnte. Und so lebt er dann in eine neue Inkarnation hinüber, zu welcher er sich einen passenden Körper sucht, der es ihm ermöglicht, die erworbenen Fähigkeiten zur Geltung zu bringen. Zum Beispiel: Wer sich musikalische Kenntnisse gesammelt hat, wird sich ein Elternpaar suchen, welches eine musikalisch günstige Ohrenstruktur hat. Sein Leben erfährt infolgedessen in der neuen Inkarnation eine Steigerung, die im alten Körper nicht stattfinden hat können. Und so geht die Steigerung fort von Verkörperung zu Verkörperung, je nach dem Maße der neu hinzuerworbenen Fähigkeiten, bis zur völligen Vergeistigung. Dann braucht der Mensch nicht mehr an eine physische Hülle gebunden zu bleiben und die Kette der Inkarnationen hat ein Ende. Haben wir das Gesagte in seinem ganzen Wert erfaßt, so müssen wir folgern, daß der Tod trotz alles Schmerzlichen eine wohltätige Notwendigkeit ist, und daß das Ich die Erschaffung des Todes wünschen müßte, wenn er nicht existierte. Daß in dieser Anschauung nichts Lebensfeindliches, keine Askese und keine Lebensfurcht ist, geht deutlich daraus hervor, wenn wir danach trachten, dieses Leben zu erhöhen und sowohl den äußeren wie den inneren Menschen immer mehr zu veredeln und zu vergeistigen. Die Frage: Wie fliehen wir aus dem Leben? - kann nur aus einer unvollkommenen und falschen Erkenntnis der Lehre vom Tode und der Reinkarnation entspringen. Alles hier auf dem physischen Plan und ebenso nach dem Tode auf dem geistigen, ist nur Arbeit und Vorbereitung für eine neue Verkörperung auf Erden. Wir sehen hiermit dieselben Wechselbeziehungen im Großen, wie wir sie am Tag- und Nachtleben im Kleinen beobachten konnten.
Cite:
GA 118/1910-04-12/p015 · edition original