PFINGSTEN, DAS FEST DER FREIEN INDIVIDUALITÄT Hamburg

GA 118/1910-05-15/p047 ·1910-05-15 · original (original)
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Manches von dem, was in den letzten Zeiten in unserer Bewegung gesagt worden ist, kann heute erneut vor unsere Seele treten. Es nimmt sich aus wie ein Zusammenbringen von Orient und Okzident, von den zwei gewaltigen Offenbarungen des Christentums und des Buddhismus. Wir sehen sie zusammenfließen im Geistigen. Und das richtige Verständnis des christlichen Pflngstgedankens gibt uns die Möglichkeit, das Zusammenfließen dieser zwei größten Religionen zu rechtfertigen, die gegenwärtig auf dem Erdenrund sind. Aber nicht bloß durch äußere Impulse kann man zwei solche Offenbarungen zusammenbringen; das bliebe nur Theorie. Wer etwa nehmen wollte, was das Christentum bis jetzt geboten hat, und was der Buddhismus bis jetzt geboten hat, und beides zusammenschweißen wollte zu einer neuen Religion, der brächte nicht einen neuen Seeleninhalt für die Menschheit zustande, sondern nur eine abstrakte Theorie, die keines Menschen Seele erwärmen könnte. Wenn so etwas geschehen soll, müssen neue Offenbarungen geschehen. Und das ist für uns das, was als die Verkündigung der Geist-Erkenntnis ertönt, heute zwar nur erst vernehmbar für die, die in geisteswissenschaftlicher Schulung sich reif gemacht haben, den Christus in sich sprechen zu lassen, der bei uns ist bis ans Ende der Erde. Aber hingedeutet ist worden, daß wir in einer wichtigen Zeit der Menschheitsentwickelung sind: daß noch vor dem Ablauf dieses Jahrhunderts neue Kräfte` sich in der Menschenseele entwickeln, welche den Menschen dazu führen werden, eine Art ätherischen Hellsehens zu entwickeln, wodurch sich für gewisse Menschen wie durch eine natürliche Entwickelung das Ereignis, das Paulus vor Damaskus erlebt hat, erneuern wird. So daß der Christus für die erhöhten geistigen Kräfte des Menschen wiederkommen wird in einem ätherischen Gewande. Dessen, was Paulus sah vor Damaskus, werden immer mehr und mehr Seelen teilhaftig werden. Und dann wird rnan wahrnehmen in der Welt, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was wie die vorherverkündigte Offenbarung einer erneuerten und metamorphosierten Wahrheit des Christus-Impulses da sein wird. Verstehen werden nur diejenigen diese neue Offenbarung, welche da glauben, daß der frische Strom des geistigen Lebens, in das sich einmal - untrennbar für alle Zeiten - der Christus hineinergossen hat, lebendig bleiben wird für alle Zeiten. Wer das nicht glauben will, mag verkündigen ein altgewordenes Christentum. Wer aber an das wirkliche Pflngstereignis glaubt und es versteht, der wird sich auch zum Bewußtsein bringen, daß das, was mit der christlichen Verkündigung begonnen hat, immer weiter und weiter sich entwickeln wird, in immer neuen und neuen Tönen zur Menschheit sprechen wird, daß immer da sein werden die individualisierten Seelenwelten des Heiligen Geistes, die feurigen Zungen, und daß in immer erneutem Feuer und Impuls die menschliche Seele den Christus-Impuls wird erleben und ausleben können.

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Cite: GA 118/1910-05-15/p047 · edition original