{"corpus":"steiner","locus":"GA 119/1910-03-21/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wie Faust im Nichts das All zu finden hofft, so müssen wir auch zu dem Nichts der materialistischen Gesinnung und Anschauung gehen, wenn wir dasjenige ergreifen wollen, was durch die Pforte des Todes hindurchgeht und dann seine Eindrücke hat, wenn keine physischen Werkzeuge, keine physischen Organe mehr da sind, durch die eine äußere Welt vermittelt werden kann. Dieses Nichts des Materialisten, dieses Grundwesen der menschlichen Natur für den spirituellen Blick, das hat jenes gewaltige Erinnerungstableau vor sich, in dem eingeschlossen sind alle einzelnen Erlebnisse des letzten Daseins, ebenso, ja in höherem Sinne eingeschlossen sind als nach jenem Schock, den ein Mensch erlebt, wenn er in Lebensgefahr schwebt, wenn er etwa dem Ertrinken nahe ist. Was ist denn eigentlich geschehen mit einem Menschen, der vor einer Lebensgefahr steht? Durch den Schock, den er erlitten hat, ist sein Äther- oder Lebensleib für eine kurze Weile gelockert worden aus seinem physischen Leibe heraus. Nun ist aber dieser Äther- oder Lebensleib beim Menschen - ausdrücklich sei es gesagt: beim Menschen - der Träger auch der Erinnerung, des Gedächtnisses, und im gewöhnlichen Leben, wenn dieser Äther- oder Lebensleib eingeschaltet ist dem physischen Leib, dann ist der physische Leib wie eine Art Hemmnis, wie eine Art Hindernis für das Herausheben aller einzelnen Erinnerungen, aller einzelnen Gedächtnisvorstellungen. Wenn aber der Ätheroder Lebensleib durch einen solchen Schock für eine kurze Weile aus dem physischen Leib herausgehoben ist, dann tritt das ganze Leben in einem Erinnerungsgemälde vor die Seele, und wir haben dann bei einem solchen Menschen in dem Momente des Ertrinkens durchaus eine Art von Analogon zu demjenigen, was unmittelbar nach dem Tode da ist, wenn der Äther- oder Lebensleib mit allen seinen Kräften frei geworden ist, da ja der physische Leib im Tode abgelegt ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt","site_heading":null,"date":"1910-03-21","location":null,"word_count":288,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/119/1910-03-21/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}