{"corpus":"steiner","locus":"GA 119/1910-03-21/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist das eine Erlebnis, nachdem der Mensch die Pforte des Todes durchschritten hat. Wir müssen es aber noch genauer charakterisieren. Dieses Erlebnis ist ganz eigentümlicher Art. Es ist nämlich diese Erinnerung nicht so, daß wir die Ereignisse des eben verflossenen Lebens genau in derselben Art erleben, wie wir sie im Leben durchgemacht haben. Im Leben machen auf uns die Ereignisse des Tages den Eindruck der Lust, den Eindruck der Freude, den Eindruck des Schmerzes, den Eindruck des Leides. In einer Weise treten sie an uns heran, daß wir mit ihnen Sympathie und Antipathie haben. Kurz, diese Ereignisse erregen unsere Gefühlswelt, spornen uns wohl auch an, unseren Willen, unsere Begierde in dieser oder jener Weise zu betätigen. Das alles, was Lust und Leid, Freude und Schmerz, was Sympathie und Antipathie ist, was Interesse an äußeren Erscheinungen des Daseins ist, alles das ist für jene Zeit, die eben jetzt besprochen worden ist, aus der menschlichen Seele wie ausgelöscht, und es steht das Erinnerungsbild da, wirklich wie ein Bild. Wenn wir ein Bild vor uns haben, eine Szene uns vorstellen, wo wir furchtbar leiden würden - wir ertragen sie objektiv, neutral, wenn sie uns im Bilde dargestellt wird. So aber tritt uns auch das Frinnerungsbild des ganzen Lebens vor die Seele: Wir erleben es ohne Teilnahme, die wir sonst im Leben gehabt haben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt","site_heading":null,"date":"1910-03-21","location":null,"word_count":221,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/119/1910-03-21/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}