Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt

GA 119/1910-03-21/p015 ·1910-03-21 · original (original)
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Was hat nun der Mensch an sich im weiteren Verlaufe seines nachtodlichen Lebens? Der Mensch behält dasjenige, was wir den Träger seines Ichs, was wir sein Ich überhaupt nennen; aber eingehüllt ist dieses Ich zunächst von demjenigen, was wir als das dritte Glied der menschlichen Wesenheit nach dem physischen und dem Äther- oder Lebensleib charakterisiert haben, eingehüllt ist dieses Ich von dem astralischen Leib. Wir könnten sagen, daß der astralische Leib des Menschen der Träger ist von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden und Leidenschaften. Von alle dem, was des Tags über also als Lust und Leid, als Triebe, Begierden und Leidenschaften durch unsere Seele zuckt, davon ist der astralische Leib-der Träger, und jede Nacht verlassen Ich und astralischer Leib den physischen und den Äther- oder Lebensleib des Menschen, die während des Schlafens im Bette liegen bleiben. Jetzt haben wir nach dem Tode vereint das Ich und den astralischen Leib mit jener Lebensessenz, von der wir eben sagen konnten, daß sie als Frucht oder Keim aus dem Äther- oder Lebensleib extrahiert worden ist. Mit diesen Gliedern seines Wesens tritt nun der Mensch weiter die Wanderung an durch die sogenannte seelische Welt. Wollen wir verstehen, was uns der geistige Blick des Menschen über diese Welt enthüllen kann, dann müssen wir zunächst uns klarmachen, daß dieser astralische Leib es ist, welcher der Träger ist von allem, was Genuß, was Lust, was Interesse an den Dingen um uns herum ist. Ja, der astralische Leib ist der Träger aller Genüsse, Begierden, aller Schmerzen und Leiden, auch der niedrigsten Begierden, der Begierden, die zum Beispiel mit unserer Ernährung verknüpft sind. Der physische Leib, er ist ein Gefüge von physischen und chemischen Kräften und Gesetzen. Der physische Leib ist es nicht, der Lust und Genuß empfindet gegenüber irgendwelchen Nahrungs- und Genufßmitteln, das ist der astralische Leib des Menschen. Der physische Leib gibt nur die Werkzeuge her, damit wir uns solche Genüsse, die im astralischen Leib sich abspielen, verschaffen können. Derjenige nun, der einen Begriff davon erhalten hat, daß dieser astralische Leib des Menschen etwas Reales, etwas Wirkliches ist, nicht bloß eine Funktion, ein Ergebnis des Zusammenwirkens der physischen und chemischen Vorgänge, der wird sich auch nicht wundern, wenn gesagt wird, daß in dem Augenblicke des Todes, wenn der physische Leib abgelegt ist, der astralische Leib nicht gleich die Sehnsucht nach den Genüssen verliert. Das tut er in der Tat nicht. Nehmen wir einen krassen Fall, meinetwillen einen Menschen, der im Leben ein Feinschmecker war, der Genuß gehabt hat an leckeren Speisen. Was ist mit dem Tode für ihn eingetreten? Die Möglichkeit hat er verloren - weil er die physischen Werkzeuge abgelegt hat -, sich die Genüsse in seinem astralischen Leib zu verschaffen. Aber die Begierde nach diesen Genüssen ist in seinem astralischen Leib verblieben. Die Folge davon ist, daß der Mensch nunmehr in bezug auf diese Genüsse in derselben Lage ist - wenn auch durch andere Gründe -, in der er etwa wäre, wenn er im physischen Leben in einer Gegend ist, wo er brennenden Durst leidet und weit und breit nichts ist, was diesen Durst löschen kann. Nach dem Tode leidet der astralische Leib einen brennenden Durst, weil die physischen Organe nicht da sind, durch die dieser Durst befriedigt werden kann. Die Werkzeuge sind abgelegt, aber die Begierde nach diesen Genüssen ist im astralischen Leib verblieben. Die Folge davon ist, daß der Mensch nunmehr in bezug auf diese Genüsse in derselben Lage ist, der astralische Leib leidet einen brennenden Durst. Im astralischen Leib sind noch alle jene Triebe, Begierden und Leidenschaften, die nur durch die physischen Werkzeuge befriedigt werden können. Daher ist begreiflich, einfach aus dieser logischen Erwägung heraus, was der Geistesforscher auf diesem Gebiet sagen muß: Der Mensch macht, nachdem er seinen Äther- oder Lebensleib abgelegt hat, eine Zeit durch, in der er sich in bezug auf sein innerstes Wesen abgewöhnen muß alle Sehnsuchten, alle Begierden, welche nur durch die physischen Werkzeuge des physischen Leibes befriedigt werden können. - Das ist die Zeit der Läuterung, der Reinigung, in der ausgerissen werden müssen aus dem astralischen Leib alle Sehnsuchten nach irgend etwas, was dem Menschen nur verschafft werden kann dadurch, daß er seine physischen Werkzeuge in Tätigkeit versetzt.

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