{"corpus":"steiner","locus":"GA 119/1910-03-21/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir werden es begreiflich finden, daß wiederum, je nach der Individualität des Menschen, die Zeit verschieden sein wird, die durchgemacht werden muß behufs dieser Läuterung, behufs dieses Ausrerßens der Begierden, die nur nach der physischen Welt gehen. Der Mensch macht aber auch diese Zeit so durch, daß sie nicht etwa bloß nach Tagen zählt, sondern daß sie nach den Forschungen der Gersteswissenschaft ungefähr ein Drittel des Lebens in der physischen Welt in Anspruch nimmt, das zwischen Geburt und Tod verlaufen ist. Es ist das begreiflich für denjenigen, der tiefer hineinzublicken vermag, daß die Läuterungszeit ungefähr ein Drittel der Lebenszeit in Anspruch nimmt. Wenn man das menschliche Leben überblickt, so findet man, daß dieses menschliche Leben zwischen Geburt und Tod deutlich zerfällt in drei Drittel. Das erste Drittel des Lebens ist dazu da, daß sich die durch die Geburt ins Dasein tretenden Anlagen und Fähigkeiten des Menschen hindurcharbeiten durch die Hindernisse der physischen Welt. Eine Art aufsteigenden Lebens ist im ersten Drittel vorhanden. Der Mensch ergreift allmählich als geistiges Wesen Besitz von seinen physischen Organen. Dann kommt das nächste Lebensdrittel, das ungefähr dauert vom 21. bis zum 42. Lebensjahre durchschnittlich. Das erste dauert bis zum 21. Lebensjahr. Dieses zweite Lebensdrittel nimmt in Anspruch die Entwickelung all derjenigen Kräfte, die der Mensch dadurch entfalten kann, daß er mit seinem Innern, mit seinem Seelischen in Wechselwirkung tritt mit der Außenwelt. Da hat er bereits die Organe seines physischen und Äther- oder Lebensleibes plastisch gestaltet, da hat er an ihnen kein Hindernis mehr. Er ist ausgewachsen. Sein Seelisches tritt in unmittelbare Beziehung zur Außenwelt. Das dauert so lange, bis der Mensch beginnen muß, wiederum zu zehren von seinem physischen und Äther- oder Lebensleib, und das geschieht dann für die übrige Zeit seines Lebens. Da saugt der Mensch nach und nach wiederum auf dasjenige, was er plastisch gestaltet hat in seiner Jugend. Wir konnten darauf aufmerksam machen, welcher wunderbare Zusammenhang zwischen Jugend und Alter besteht. Wenn während derjenigen Zeit, während welcher das innere menschliche Wesen plastisch gestaltet an den Organen des Menschen, der Mensch gewisse Eigenschaften sich aneignet, wenn er in dieser Zeit in der Seele überwunden hat mancherlei Zornesregungen, wenn er durchgemacht hat dasjenige, was wir das Gefühl der Andacht nennen, so kommt das gerade im letzten Drittel des Lebens in seiner Wirkung zum Ausdruck. Es geht das im mittleren Drittel wie in einem verborgenen Strom dahin. Und dasjenige, was wir überwundenen Zorn nennen, kommt im Alter als gerechte Milde zum Vorschein, so daß im überwundenen Zorn die Ursache liegt zur Milde. Und aus der Stimmung der Andacht, die wir hegen in jungen Jahren, kommt am Ende des Lebens jene Eigenschaft, die wir erblicken an denjenigen Menschen, die in eine Gemeinschaft treten können, und ohne daß \"sie viel sagen, wie segnend wirken.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt","site_heading":null,"date":"1910-03-21","location":null,"word_count":458,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/119/1910-03-21/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}