Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt

GA 119/1910-03-21/p022 ·1910-03-21 · original (original)
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Dies durchleben wir mit jener Seele, die sich gleichsam ausgegossen fühlt in die ganze Umwelt. Das ist nicht ohne Wirkung, sondern der Mensch, indem er alles durchlebt, nimmt von all diesen Situationen des Durchlebens gewisse Marken, gewisse Eindrücke mit. Wir können dies erwa folgendermaßen charakterisieren. Aber ich bemerke ausdrücklich, daß man diese Dinge mit Worten eigentlich nur vergleichsweise charakterisieren kann, denn Sie können verstehen, daß unsere Worte geprägt sind für die physische Welt und eigentlich nur auf diese physische Welt im rechten Sinne anwendbar sind. Gebrauchen wir doch diese Worte - und wir könnten uns sonst ja nicht verständigen über all die geheimnisvollen Welten, die dem geistigen Auge sich erschließen -, dann müssen wir uns bewußt sein, daß diese Worte nur einen annähernden Sinn haben. Dasjenige, was da also durchlebt wird, kann nur so charakterisiert werden: Wenn der Mensch wahrnimmt den Schmerz, den er einem andern zugefügt hat, wenn er diesen Schmerz nach dem Tode nacherlebt, dann fühlt er ihn wie ein Entwickelungshemmnis. Er sagt sich etwa empfindend in seiner Seele: Was wäre ich geworden, wenn ich dem andern diesen Schmerz nicht zugefügt hätte? Dieser Schmerz ist etwas, was mein ganzes Wesen zurückhält von einem Grad von Vollkommenheit, den es sonst hätte erreichen können. - Und so sagt sich der Mensch bei allem, was er an Irrtum und Lüge, an Häßlichem verbreitet hat in seiner Umgebung: Das sind Entwickelungshindernisse, etwas, was ich mir selber in den Weg meiner Vervollkommnung gelegt habe. - Und daraus formt sich eine Kraft in der menschlichen Seele, die dahin geht, daß der Mensch in jenem Zustande, in dem er jetzt lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aufnimmt die Sehnsucht, aufnimmt die Willensimpulse, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das heißt, Stück für Stück nehmen wir in der Rückwärtswanderung Impulse auf, im kommenden Leben das wieder gutzumachen, wiederum auszugleichen, was wir uns selber an Hindernissen in den Weg gelegt haben.

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