Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt

GA 119/1910-03-21/p023 ·1910-03-21 · original (original)
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Daher dürfen wir uns auch nicht dem Glauben hingeben, daß dasjenige, was wir da durchmachen, bloß Leiden sei. Leid und Entbehrung ist es gewiß, und schmerzlich ist es, wenn wir all das auf unsere eigene Seele geladen sehen, was wir selber verursacht haben; aber wir erleben es doch so, daß wir froh sind, es erleben zu dürfen, weil wir nur dadurch jene Kraft aufnehmen können, die uns befähigt, jene Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Und so addieren sich zusammen alle diese Impulse, die wir während der Läuterungszeit aufnehmen, und wenn wir zurückgekommen sind bis zum Anfang unseres letzten Lebens, dann ist eine mächtige Summe da, die in uns als ein ungeheurer Drang lebt, in einem neuen Leben, in den folgenden Daseinsstufen alles dasjenige auszugleichen, was auszugleichen ist in dem charakterisierten Sinne. Mit der Kraft also, unseren Willen künftighin so zu entfalten, daß für alles Unrechte, Häßliche, Schlimme, das wir getan haben, der Ausgleich geschaffen wird, mit dieser Kraft sind wir ausgerüstet am Ende der Läuterungszeit. Das ist eine Kraft, von der der Mensch etwa eine Ahnung bekommen kann, wenn er sich durch eine weise Selbsterkenntnis damit bekanntmacht, welche Gewissensbisse es ihm verursacht, wenn er zurückdenkt an das, was er diesem oder jenem angetan hat. Aber alles das bleibt im Leben bloß Gedanke. Ein mächtiger Schaffensdrang wird es in der Läuterungszeit zwischen Tod und einer neuen Geburt. Und mit diesem Schaffensdrang ausgestattet geht der Mensch jetzt in ein neues Leben ein: in das eigentlich geistige Leben.

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