Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt

GA 119/1910-03-21/p025 ·1910-03-21 · original (original)
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So also ist zwar für uns Menschen der Gedanke das letzte, das wir ergreifen von den Dingen, den Dingen aber liegt er als ihr erstes zugrunde. Der schöpferische Gedanke liegt den Dingen zugrunde, aber die Gedanken der Menschen, durch die der Mensch zuletzt erkennt, unterscheiden sich doch in einer gewissen, sehr bedeutungsvollen Beziehung von den schöpferischen Gedanken draußen. Wenn Sie in die menschliche Seele hineinzublicken versuchen, dann werden Sie sich sagen: Wie auch dieses menschliche Denken herumschweifen mag in dem Horizont der Gedanken und Vorstellungen, solange der Mensch denkt, solange er durch seine Gedanken die Geheimnisse der Dinge zu ergründen versucht, so lange nehmen sie sich aus wie etwas, dem ferne liegt alles Schöpferische. - Das ist das Figenartige der menschlichen Gedanken, daß sie das produktive, das schöpferische Element, das in den Gedanken, die die Welt draußen durchweben und durchleben, enthalten ist, verloren haben. Diejenigen Gedanken, die die Welt draußen durchsetzen, werden durchzogen mit dem Element, das im menschlichen Inneren erst heraufsprießßt wie ein geheimnisvoller Untergrund unseres Daseins. Das wissen Sie ja, daß Ihre Vorstellungen, wenn sie umgegossen sein sollen in den Willen, dann untertauchen müssen in die Untergründe des menschlichen Wesens, daß der Gedanke selber noch nicht durchzogen ist von dem Willen. Der Gedanke aber, der draußen in der Welt wirkt, der ist durchzogen und durchwebt vom Willen. Und das eben ist das eigenartige des Geistes, der objektiv draußen die Dinge durchwirkt, daß er schöpferisch ist. Dadurch ist er aber nicht mehr nur Gedanke, dadurch ist er Geist. Der Gedanke der menschlichen Natur ist dadurch zustande gekommen, daß der Wille aus dem Geist herausgepreßt ist und daß dieser wie ein Reflex erst aus dem Menschen heraus erscheint. Für den geistigen Blick zeigt er sich draußen nirgends von dem Schöpferischen getrennt.

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Cite: GA 119/1910-03-21/p025 · edition original