Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt

GA 119/1910-03-21/p031 ·1910-03-21 · original (original)
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Nun müssen wir uns vor allen Dingen darüber unterrichten, daß hinaufragt in diese geistige Welt alles dasjenige, was hier auf der Erde schon geistig ist. Wir haben ja gerade hervorgehoben, daß dasjenige, was wir in unseren Geist hereinnehmen, draußen in der geistigen Welt schöpferisch ist. Wir haben gesehen, daß wir selber in einer gewissen Weise in dieser schöpferischen Welt mit unserem Schöpferischen drinnen sind. Diese geistige Welt, die draußen schöpferisch ist, sie spiegelt sich in einer gewissen Weise in unserer eigenen Seele. Insofern unsere eigene Seele Geistiges erlebt, ein geistiges Leben durchläuft, sind auch die geistig-seelischen Erlebnisse unseres Innern Bürger der geistigen Welt. Wie die geistige Welt in die physische herunterragt, so ragt unser Geistiges hinauf in die allgemeine geistige Welt. Dadurch aber ist uns erklärlich, was die Geistesforschung behaupter: Was am Menschen ist in bezug auf seine verschiedenen Wesensglieder, das legt die äußeren Hüllen ab, und es bleibt das Geistige und wächst hinauf in die produktive geistige Welt; es ist uns auch erklärlich, daß auch die geistigen Verhältnisse, alles Seelische, was sich hier in der physischen Welt abspielt, die äußeren Hüllen ablegt und in die geistige Welt hinauflebt. Nehmen wir die Liebe, die die Mutter hat zu ihrem Kinde. Diese wächst aus der physischen Welt heraus. Sie trägt zunächst einen animaliischen Charakter. Es sind Sympathien, welche Mutter und Kind verbinden, welche eine Art von physischer Kraftwirkung sind. Dann aber läutert sich dasjenige, was aus der physischen Welt herauswächst, es veredelt sich die Liebe der beiden Wesenheiten; immer mehr und mehr seelisch-geistig wird diese Liebe. Alles, was der physischen Welt entspringt, wird ebenso abgeworfen im Tode wie die äußeren Hüllen. Dafür bleibt aber auch alles dasjenige bestehen, was in dieser physisch-menschlichen Hülle an Seelischem, an Geistigem in dieser Liebe aufgebaut wird, ebenso wie das menschliche Innere selbst in die geistige Welt hineinlebt, so daß die Liebe zwischen Mutter und Kind fortlebt in der geistigen Welt. Da finden sie sich wiederum, Jetzt nicht mehr begrenzt durch die Schranken der physischen Welt, sondern in jener geistigen Umgebung, wo wir nicht die Dinge außer uns haben, sondern wo wir in den Dingen leben und weben und sind. Daher muß man sich dasjenige, was da herrscht in der geistigen Welt, als das Resultat der in der physischen Welt begründeten Liebe und Freundschaftsverhältnisse vorstellen; man muß sie sich so vorstellen, daß viel inniger verbunden sind diejenigen, die in der geistigen Welt sich verbunden haben, als die Bande der Liebe, der Freundschaft, die geschlungen werden in der physischen Welt. Und unsinnig ist es, zu fragen, ob wir diejenigen, mit denen wir in Liebe und Freundschaft zusammenleben in der physischen Welt, nach dem Tode wieder erblicken. Wir erblicken sie nicht nur, sondern wir leben in ihnen; wir sind sozusagen über sie ergossen. Und alles, was innerhalb der Schranken der Sinnenwelt gewoben wird, das erhält erst seinen rechten Sinn, seine rechte Bedeutung, wenn wir mit dem geistigen Teil davon in die geistige Welt hinaufwachsen.

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Cite: GA 119/1910-03-21/p031 · edition original