{"corpus":"steiner","locus":"GA 119/1910-03-21/p035","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dies ist der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt. Erblicken wir den Menschen so, dann haben wir in seinem physisch-sinnlichen Leben gleichsam nur einen Teil seines vollständigen Lebenskreislaufes. Und unsere Erkenntnis ist dann, wenn wir sie so im rechten Sinne betreiben, nicht bloß eine theoretische Erkenntnis, die uns dieses oder jenes sagt wie die äußere Wissenschaft, sondern sie ist eine Erkenntnis, die uns zu gleicher Zeit objektiv zeigt, wie das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt Sinn und Bedeutung erhält, indem dasjenige, was wir hier einsammeln, in einer höheren Welt seine Verarbeitung findet. Aus solcher Erkenntnis ersprießt uns Wissen und Willenskraft für das Leben, sprießt uns Sinn und Bedeutung, Zuversicht und Hoffnung für das Leben. Wir brauchen einer solchen Erkenntnis nicht etwa bloß zuzuschreiben, daß wir trostlos blicken in vergangene Leben, von denen wir etwa sagen: Nun, da wird behauptet, daß wir unseren Schmerz uns selber zubereitet haben. Zu dem Schmerz wird noch diese Trostlosigkeit hinzugefügt! - Nein, wir können uns sagen: Dieses Gesetz ist nicht bloß ein solches, das auf die Vergangenheit weist, sondern auch ein solches, das in die Zukunft weist, das uns zeigt, daß überwundener Schmerz Kraftzuwachs ist, den wir verwerten im neuen Leben, und je mehr wir arbeiten, je mehr wir Schmerz überwunden haben, desto stärker wird unsere Kraft sein. Im Glück kann man im höheren Sinn nur leiden, es ist eine Erfüllung aus früheren Leben. Im Schmerz kann man Kräfte ausbilden, und die durch die Überwindung des Schmerzes ausgebildeten Kräfte bedeuten eine Steigerung für das zukünftige Leben. Und wir schreiten getrost durch die Pforte des Todes, wenn wir wissen, daß der Tod ins Leben hereingebracht sein muß, damit sich dieses Leben von Stufe zu Stufe steigern kann. Damit erscheint es wohl gerechtfertigt, wenn gesagt wird: Geisteswissenschaft in diesem Sinne ist nicht allein eine Theorie, sie ist Saft und Kraft für das Leben, indem dasjenige, was unmittelbar in unser ganzes seelisches Dasein einfließt, dieses gesund und kräftig und stark macht. - Geisteswissenschaft ist dasjenige, was bewahrheitet die Worte, die einem jeden Geistesforscher und wohl jedem Menschen, der etwas erahnt von der geistigen Welt, in der Seele leben müssen als Wahrworte, als Leitworte für sein sich steigerndes, gesundes und kraftvolles Leben, das selbst in der Überwindung des Schmerzes Kraftsteigerung erblickt, bewahrheitet die Worte:","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt","site_heading":null,"date":"1910-03-21","location":null,"word_count":381,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p035","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21/p035"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/119/1910-03-21/p035","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}