Erster Vortrag

GA 119/1910-03-21_02/p003 ·1910-03-21 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

In diesem Vortragszyklus soll ein Überblick gegeben werden über die geisteswissenschaftlichen Forschungen, welche uns in den Stand setzen, die wichtigsten Rätsel des menschlichen Lebens zu durchschauen, soweit das möglich ist nach Maßgabe derjenigen Bedingungen und Grenzen, die einem Begreifen der höheren Welten in unserer Zeit nun schon einmal gesetzt sind. Und zwar soll ein solcher Überblick dieses Mal so gegeben werden, daß von Näherliegendem ausgegangen und von diesem Näherliegenden aus der Aufstieg versucht wird in immer höhere Gebiete des Daseins und in immer verborgenere Rätsel des menschlichen Lebens. Nicht so sehr soll dieses Mal in der Darstellung von irgendwelchen feststehenden, wie Dogmen sich ausnehmenden Begriffen und Ideen ausgegangen werden, sondern es soll in möglichst einfacher Weise zuerst Bezug genommen werden auf dasjenige, was jeder Mensch als etwas auch dem gewöhnlichen Leben Naheliegendes empfinden muß. Geistesforschung, Geisteswissenschaft überhaupt beruht ja darauf, daß vorausgesetzt wird, derjenigen Welt, in der wir zunächst leben, die uns zunächst bekannt ist, liege eine andere, sagen wir, die geistige Welt zugrunde, und in dieser geistigen Welt, welche unserer sinnlichen und bis zu einem gewissen Grade auch unserer seelischen Welt zugrunde liegt, haben wir die eigentlichen Ursachen, die Bedingungen zu demjenigen zu suchen, was in der sinnlichen und in der seelischen Welt eigentlich vorgeht. Nun ist es ja wohl allen hier Anwesenden bekannt, und es ist berührt worden in den einleitenden öffentlichen Vorträgen, daß es bestimmte Methoden gibt, die der Mensch auf sein Seelenleben anwenden kann und durch die er gewisse Fähigkeiten seiner Seele, die im gewöhnlichen, normalen Leben schlummern, wachrufen kann, so daß er den Augenblick der Einweihung oder Initiation erlebt, durch den er eine neue Welt, eben die Welt der geistigen Ursachen, der geistigen Bedingungen für die sinnliche und seelische Welt so um sich herum hat, wie etwa der bis dahin Blinde nach der Operation die Welt der Farben und die Welt des Lichtes um sich herum hat. Von dieser Welt, die also eigentlich diejenige ist, die wir von Stunde zu Stunde in diesem Zyklus von Vorträgen immer mehr und mehr aufsuchen wollen, von dieser Welt geistiger Tatsachen und geistiger Wesenheiten ist ja der Mensch im heutigen normalen Leben getrennt. Und zwar ist der Mensch getrennt von dieser geistigen Welt nach zwei Seiten hin: nach derjenigen Seite hin, die wir die äußere nennen können, aber auch nach derjenigen Seite hin, die wir die innere nennen können.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21_02/p003.json
Cite: GA 119/1910-03-21_02/p003 · edition original