Erster Vortrag

GA 119/1910-03-21_02/p005 ·1910-03-21 · original (original)
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Da haben wir die eine Grenze. Die andere finden wir, wenn wir in uns selber hineinblicken. In uns selber finden wir eine Welt von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Leidenschaften, Trieben, Begierden und so weiter; wir finden in uns alles dasjenige, was wir mit einem anderen Worte unser Seelenleben nennen. Wir fassen dieses Seelenleben gewöhnlich so zusammen, daß wir sagen: Ich empfinde diese Lust, ich empfinde diesen Schmerz, ich habe diese Triebe, ich habe diese Leidenschaften. Aber wir haben wohl auch die Empfindung, daß hinter diesem Seelenleben sich irgend etwas verbirgt, daß dahinter irgend etwas steht, was ebenso durch unsere Seelenerlebnisse verdeckt wird, wie irgend etwas Äußeres verdeckt wird durch die sinnlichen Wahrnehmungen. Denn wer sollte sich darüber täuschen, daß Lust und Leid, Freude und Schmerz und all die anderen Seelenerlebnisse wie aus einem Unbekannten des Morgens beim Aufwachen aufsteigen, daß der Mensch ihnen in einer gewissen Weise hingegeben ist. Und wer könnte leugnen, wenn er in gewisser Selbstschau das alles vor sich hinstellt, daß da in ihm selber etwas Tieferes, etwas ihm zunächst Verborgenes sein muß, das wie aus sich herausströmen läßt unsere Lust und unser Leid, Freude und Schmerz und all unsere Seelenerlebnisse, die zunächst ebenso Offenbarungen sind eines Unbekannten, wie die äußeren sinnlichen Wahrnehmungen Offenbarungen eines Unbekannten sind.

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