Erster Vortrag
Überlegen wir uns nun, was eben gesagt worden ist, daß der Mensch sein Ich verliert, wenn er ekstatisch wird, so werden wir uns sagen müssen: Dieser ekstatische Zustand ist somit nicht etwas, was für den gewöhnlichen Menschen etwas ganz Vorzügliches ist. Denn alle menschliche Orientierung in der Welt, alle Möglichkeit, in der Welt unsere Mission zu vollziehen, beruht darauf, daß wir in unserem Ich einen festen Mittelpunkt unseres Wesens haben. Wenn uns die Fkstase die Möglichkeit nimmt, dieses Ich zu fühlen, dieses Ich zu erleben, dann haben wir uns durch die Ekstase zunächst selber verloren. Wenn nun auf der anderen Seite der Mystiker alles hineinschiebt in das Ich, wenn er das Ich sozusagen zu dem Schuldigen für alles, was wir empfinden, macht, dann hat das einen anderen Nachteil. Dann hat das den Nachteil, daß wir alle Ursachen zu demjenigen, was geschieht in der Welt, zuletzt in uns suchen würden, und daß wir damit auch wiederum die gesunde Orientierung in der Welt verlieren würden. Denn würden wir das in Taten umsetzen, so würden wir niemals etwas anderes tun als uns selber beladen mit lauter Schuld und uns nicht in das richtige Verhältnis zur Außenwelt setzen können.
Cite:
GA 119/1910-03-21_02/p015 · edition original