Erster Vortrag
So also verlieren wir nach beiden Richtungen hin, mit der gewöhnlichen Ekstase und als gewöhnliche Mystiker, die Fähigkeit der Orientierung in der Welt. Daher ist es gut, dürfen wir sagen, daß der Mensch sich sozusagen nach zwei Richtungen fortwährend stößt. Wenn er nach außen hin mit seinem Ich sich entfaltet, so stößt er sich an den Sinneswahrnehmungen, die lassen ihn nicht durch bis zu dem, was hinter dem Schleier des Sinnenteppichs liegt, und das ist zunächst gut für den Menschen, denn dadurch kann er im normalen Verhalten sein Ich aufrechterhalten. Und auf der anderen Seite lassen ihn auch die Seelenerlebnisse im normalen Verhalten nicht durch unter das Ich hinunter, unter jene Gefühle des Ich, die eben zum normalen Orientieren führen. Der Mensch ist eingeschlossen zwischen zwei Grenzen: er geht eine Weile hinaus in die Welt und wird da begrenzt; er geht hinein in das Seelenleben und erfährt, was wir Lust und Leid, Freude und Schmerz und so weiter nennen, aber er dringt im normalen Leben eben nicht weiter als bis zu demjenigen, was ihm eine Orientierung im Leben möglich macht.
Cite:
GA 119/1910-03-21_02/p016 · edition original