{"corpus":"steiner","locus":"GA 119/1910-03-21_02/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was tun wir eigentlich im Schlaf? Nun, im Schlaf machen wir in der Tat genau dasselbe in einer gewissen Beziehung, was wir jetzt als einen abnormen Zustand geschildert haben in der Ekstase: wir gehen mit unserem eigentlichen inneren Leben nach außen; wir verbreiten den inneren Menschen in die Außenwelt. Das ist in der Tat der Fall. So wie wir unser Ich gleichsam ergießen nach außen in der Ekstase, wie wir in der Ekstase unser Ich verlieren, so verlieren wir im Schlafe unser Ich-Bewußtsein. Aber wir verlieren mehr im Schlafe, und das ist nun das Gute. In der Ekstase verlieren wir nur das Ich, aber wir behalten eine Welt um uns herum, eine Welt, die wir allerdings vorher nicht gekannt haben, eine Welt von meinetwillen bisher uns unbekannten Bildern, von geistigen Tatsachen und Wesenheiten. Im Schlafe fehlt uns auch diese Welt, im Schlafe ist auch diese Welt nicht vorhanden. Somit also unterscheidet sich der Schlaf von der Ekstase dadurch, daß der Mensch zum Auslöschen seines Ich auch noch dasjenige auslöscht, was man Wahrnehmungsfähigkeit nennt. Ob sie nun physisch oder geistig ist, im Schlafe löscht der Mensch die Fähigkeit, irgend etwas wahrzunehmen, überhaupt aus. Während er in der Ekstase bloß das Ich auslöscht, löscht er im Schlafe auch noch die Wahrnehmungsfähigkeit aus oder, wie wir mit Recht sagen, er löscht das Bewußtsein aus. Es ist das Bewußtsein aus seinem menschlichen Erleben herausgegangen. Er hat hinergossen in die Welt eben nicht bloß das Ich, sondern er hat dieser Welt auch übergeben sein Bewußtsein. Dasjenige also, was im Schlafe für den Menschen zurückbleibt, das ist etwas, aus dem das Bewußtsein und das Ich heraus sind. Somit haben wir im schlafenden Menschen, den wir im gewöhnlichen Leben vor uns haben, etwas vor uns, was sich entledigt hat seines Bewußtseins und seines Ich. Und wohin ist das Bewußtsein und ist das Ich gegangen? Wir können sogar auch diese Frage, nach der Schilderung der Ekstase, beantworten. Wenn bloß die Ekstase eintritt und nicht der Schlaf, dann ist um uns eine Welt von geistigen Wesenheiten und Tatsachen. Nehmen wir nun an, wir schälen auch noch unser Bewußtsein heraus zu dem Ich, wir geben auch unser Bewußtsein auf, in demselben Augenblick tritt schwarze Finsternis um uns herum ein - wir schlafen. So haben wir im Schlafe hingegeben unser Ich, wie in der Ekstase, und auch - und das charakterisiert den Schlaf - unser Bewußtsein. Daher können wir sagen: Der Schlaf des Menschen ist eine Art Ekstase, in der der Mensch nicht bloß mit seinem Ich außer seinem Leibe ist, sondern in der er auch mit seinem Bewußtsein außer seinem Leibe ist. Was wir Ich nennen, das haben wir in der Ekstase hingegeben. Das ist ein Glied der menschlichen Wesenheit. Im Schlaf geht nun noch ein anderes hinaus, der Träger unserer Bewußtseinserscheinungen, das ist der astralische Leib. Da haben Sie einen zunächst ganz aus dem gewöhnlichen Leben gewonnenen Begriff dessen, was man in der Geisteswissenschaft den astralischen Leib nennt. Das Ich ist dasjenige, was in dieser Ekstase aus dem physischen Leib herausgeht; wenn nun im Schlafe auch dasjenige herausgeht, was man astralischen Leib nennt, so ist dadurch ausgelöscht die Möglichkeit, ein Bewußtsein zu haben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1910-03-21","location":null,"word_count":524,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21_02/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21_02/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/119/1910-03-21_02/p018"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"unit_kind":{"kind":"second_lecture_same_day","base_unit":"GA 119/1910-03-21","note":"Another lecture given on the same date as 1910-03-21; the suffix only separates two lectures of one day."}}