Erster Vortrag
Nun zeigt uns also der Schlaf eine Art von Spaltung der menschlichen Wesenheit. Der eigentlich innere Mensch, das menschliche Bewußtsein und das menschliche Ich trennen sich von dem äußeren Menschen ab, und dasjenige, was im Schlafe eintritt, das ist das, daß der Mensch in einen Zustand kommt, in dem er nichts mehr weiß von all den Tageserlebnissen, in dem er nichts mehr in seinem Bewußtsein hat von demjenigen, was durch die äußeren Eindrücke in dieses Bewußtsein eintritt. Der Mensch ist im Schlafe als innerer Mensch an eine Welt hingegeben, von der er eben kein Bewußtsein hat; er ist in eine Welt ausgegossen, von der er nichts weiß. Nun bezeichnet man aus einem gewissen Grunde, den wir noch zur Genüge kennenlernen werden, diejenige Welt, in der der innere Mensch ist, diejenige Welt also, die sein Ich und seinen astralischen Leib aufgenommen hat, in der der Mensch so ist, daß er vergessen hat alle Eindrücke des Tages, als den Makrokosmos, als die große Welt. So daß wir also sagen, und das sei zunächst eine Andeutung, wir werden die Berechtigung dieses Ausdruckes noch kennenlernen: Der Mensch ist, während er schläft, an den Makrokosmos hingegeben, in den Makrokosmos ausgegossen, nur weiß er davon nichts.
Cite:
GA 119/1910-03-21_02/p020 · edition original