Erster Vortrag
Denken Sie sich einmal dieses menschliche Ich verglichen mit einem Tropfen irgendeiner gefärbten Flüssigkeit. Nehmen wir nun an, wir haben ein ganz kleines Gefäß, gerade groß genug, daß es diesen Tropfen aufnehmen kann, so wird dieser gefärbte Tropfen zu sehen sein. Wenn wir nun diesen Tropfen nehmen und ihn vielleicht in ein großes Bassin verteilen, das ganz mit Wasser angefüllt sei, da ist dann derselbe Tropfen im Wasser, aber wahrzunehmen ist nichts mehr von ihm. Wenn Sie diesen Vergleich anwenden auf das Ich, das sich ausdehnt in die große Welt, in den Makrokosmos, sich einfach hinergießt in der Ekstase über den Makrokosmos, so können Sie sich vorstellen, daß es sich immer schwächer und schwächer fühlt, indem es immer größer und größer wird. Indem es sich hinergießt über den Makrokosmos, verliert es die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen, wie der Tropfen sich verliert in dem großen Bassin. So begreifen wir, daß mit dem Übergehen des Menschen an eine große Welt das Ich sich verliert. Es ist ja da; es ist nur ausgegossen über diese große Welt, daher weiß es nichts von sich.
Cite:
GA 119/1910-03-21_02/p022 · edition original