{"corpus":"steiner","locus":"GA 119/1910-03-21_02/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber wenn wir da hineintauchen, dann erleben wir nicht nur unsere Seelenerlebnisse, sondern wir erleben auch die äußere Welt der Sinneseindrücke. Wir erleben nicht nur die Freude zum Beispiel an der Rose, wir erleben auch das Rot der Rose. Die Freude an der Rose ist ein inneres Erlebnis; die rote Farbe der Rose ist etwas, was draußen ist. So ist es mit allem, was wir erleben während des gewöhnlichen Tagwachens. Überall erleben wir ein Zweifaches: Wir tauchen unter in unsere Leiblichkeit, und indem wir untertauchen, spiegeln sich uns entgegen, kommen uns entgegen wie ein Echo unsere inneren Seelenerlebnisse; aber auch eine äußere Welt tritt auf, wenn wir beim Aufwachen untertauchen in das, was im Bette während des Schlafes liegengeblieben ist. Daher muß dasjenige, was im Bette liegt im Schlafe, aus zwei Gliedern bestehen: ein Glied muß gleichsam spiegeln dasjenige, was wir innerlich erleben, und ein Glied muß uns möglich machen, gleichsam uns selbst zu durchdringen und in die Außenwelt hinaus als eine wirkliche zu sehen. Also es kann keine Einheit sein, was im Bette liegengeblieben ist während des Schlafes; es muß ein Zweifaches sein. Wäre nur eines da, so würden wir, wenn wir hineinschlüpfen beim Aufwachen, nur eine innere Welt erleben, oder wir würden nur eine äußere Welt erleben. Es würde nur ein Panorama vor uns ausgebreitet sein, oder aber wir würden nur innerlich auf- und absteigen haben Lust und Leid, Freude und Schmerz und so weiter. Wir haben aber beides, nicht nur das eine oder das andere. Wir tauchen da ein in den äußeren Menschen, der im Bette liegenbleibt während des Schlafes, und zwar tauchen wir so ein, daß wir eine innere Welt vor uns hingezaubert finden und eine äußere Welt. Wir tauchen also nicht in eine Einheit, sondern in eine Zweiheit ein. So wie es eine Zweiheit war, was wir ausgegossen haben in den Makrokosmos mit dem Einschlafen, so dringen wir beim Aufwachen in den Mikrokosmos ein, und dieser ist ebenfalls eine Zweiheit. Was uns befähigt, ein inneres Seelenleben zu erleben, das nennen wir den Äther- oder Lebensleib; und dasjenige, was uns befähigt, ein äußeres Tableau der Sinneswelt zu haben, das ist der physische Leib. So ist dasjenige, was im Bette liegt während des Schlafes, aus zwei Gliedern bestehend, aus dem physischen Leib und dem Äther- oder Lebensleib. Würden wir nur in den physischen Leib eindringen, wenn wir des Morgens aufwachen, so würden wir einem äußeren Tableau gegenüberstehen, aber wir wären innerlich leer und öde, wir hätten keine Lust, keinen Schmerz, kein Interesse an all dem, was da um uns ist und vorgeht, wir stünden kalt und seelenlos dem Tableau der Sinneswelt gegenüber. So wäre es, wenn wir bloß in unseren physischen Leib einzögen. Wenn wir bloß in unseren Äther- oder Lebensleib einzögen, dann würden wir keine Außenwelt vor uns haben, sondern wir würden eine Welt von Lust und Leid, von Freude und Schmerz und so weiter haben, die auf- und absteigen würde; wir würden es keiner Außenwelt zuschreiben können, wir hätten einfach eine Gefühlswelt, die auf- und absprudelte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1910-03-21","location":null,"word_count":501,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21_02/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/119/1910-03-21_02/p029"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/119/1910-03-21_02/p029","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"unit_kind":{"kind":"second_lecture_same_day","base_unit":"GA 119/1910-03-21","note":"Another lecture given on the same date as 1910-03-21; the suffix only separates two lectures of one day."}}