Erster Vortrag

GA 119/1910-03-21_02/p032 ·1910-03-21 · original (original)
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Nun können wir uns noch die Frage vorlegen: Wodurch kann denn der Mensch, wenn er mystisch sich vertieft, in einer gewissen Weise, jenen Zustand herbeiführen, welchen wir am Anfang unseres Vortrags charakterisiert haben? - Wir haben die Ekstase verstanden dadurch, daß da das Ich ausgegossen ist in den Makrokosmos und der astralische Leib im Mikrokosmos im physischen Leib darinnengeblieben ist. Wenn wir so die Sache fassen, so verstehen wir die Ekstase. Die Ekstase ist einfach ein Ergossensein des Ich in den Makrokosmos, während der astralische Leib im Mikrokosmos drinnengeblieben ist. Worin besteht denn nun dasjenige, was wir im Anfang der heutigen Betrachtung als einen mystischen Zustand geschildert haben? Dieser mystische Zustand besteht in folgendem: Unser Leben in dem physischen und in dem Äther- oder Lebensleib, im Mikrokosmos, in der kleinen Welt, vom Morgen beim Aufwachen bis zum Abend beim Einschlafen, ist ein höchst Eigentümliches. Wir gehen nicht etwa in unseren Äther- oder Lebensleib und in unseren physischen Leib so hinunter des Morgens beim Aufwachen, daß wir den Ätherleib und den physischen Leib wahrnehmen würden; wir nehmen nicht das Innere unseres physischen und unseres Ätherleibes wahr, trotzdem wir hineinsteigen. Unser physischer und unser Ätherleib machen möglich unser Seelenleben und unser äußeres Wahrnehmen; das ermöglichen uns diese beiden Glieder der menschlichen Wesenheit. Warum nehmen wir denn unser Seelenleben wahr, wenn wir des Morgens aufwachen? Gerade aus dem Grunde nehmen wir unser Seelenleben wahr, weil uns der Äther- oder Lebensleib nicht gestattet, wirklich sein Inneres wahrzunehmen. Geradesowenig wie uns der Spiegel gestattet, dasjenige zu sehen, was hinter ihm ist und uns gerade deshalb ermöglicht, uns selber darin zu sehen, so ist es mit unserem Äther- oder Lebensleib. Unser Ätherleib spiegelt unser Seelenleben zurück. Er läßt uns nicht dasjenige, was in ihm drinnen ist, wahrnehmen, sondern er spiegelt uns unser Seelenleben zurück. Weil er es uns zurückspiegelt, so erscheint er uns als der eigentliche Verursacher unseres Seelenlebens. Er erweist sich für uns als undurchdringlich, wir durchblicken sein Inneres nicht. Das ist gerade das eigenartige des menschlichen Ätheroder Lebensleibes, daß wir nicht in ihn hineindringen, sondern daß er uns unser eigenes Seelenleben zurückwirft. Das aber ist beim Mystiker der Fall durch jene starke Ausbildung des Seelenlebens. Durch dasjenige, was er an innerer Versenkung erlebt, gelingt es ihm bis zu einem gewissen Grade, in diesen Äther- oder Lebensleib hineinzudringen, nicht bloß das Spiegelbild zu sehen, sondern sich tatsächlich einzubohren in den Mikrokosmos. Dadurch, daß er sich in diese kleine Welt, in diesen Mikrokosmos, einbohrt, erlebt er in sich selber dasjenige, was sonst der Mensch im normalen Zustande im Äußeren erlebt, was sonst über die Außenwelt ergossen ist. Er erlebt, während sonst der Mensch zum Beispiel einen Schlag abwehrt, daß er sich gleichsam in sich hineinbohrt und die Ursache zu dem Schlage in sich selber sucht. Der Mystiker also bohrt sich bis zu einem gewissen Grade in seinen Ätherleib hinein, er dringt durch jene Schwelle durch, durch welche sonst das Seelenleben gespiegelt wird und dringt in das Innere seines Äther- oder Lebensleibes hinein. Und das sind Vorgänge in seinem eigenen Ätherleib, welche der Mystiker erlebt, wenn er jene Schwelle durchschreitet, durch welche sonst das Seelenleben gespiegelt wird. Dann aber, wenn er diese Schwelle überschreitet, erlebt der Mystiker in der Tat etwas, was in gewissem Sinne ähnlich ist dem Verlust des Ich durch die Ekstase. Das Ich ist gleichsam verdünnt worden, indem der Mensch es bei der Ekstase hinausergossen hat in den Makrokosmos, in die ganze große Welt. Jetzt, bei der mystischen Versenkung, bohrt der Mensch sein eigenes Innere in den Ätherleib hinein. Dadurch verdichtet das Ich sich jetzt. Und in der Tat erlebt der Mensch diese Verdichtung seines Ich dadurch, daß dasjenige aufhört, was beim gewöhnlichen Ich das Herrschende ist, nämlich das Orientierungsvermögen durch den an das Gehirn gebundenen Verstand und die Sinne, und daß er durch gewisse innere Gefühle die Impulse erhält zu seinem Handeln. Beim Mystiker ist alles, was aufsteigt, tiefstes inneres Erlebnis, weil die Dinge direkt aus seinem Äther- oder Lebensleib herauskommen, die andere Menschen nur durch den Ätherleib gespiegelt erhalten. Das sind die Gründe, warum der Mystiker solch starke innere Frlebnisse hat, weil er sich einbohrt in das Innere seines Äther- oder Lebensleibes.

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