Zweiter Vortrag

GA 119/1910-03-22/p005 ·1910-03-22 · original (original)
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Nun wollen wir uns einmal durch naheliegende Erfahrungen und Tatsachen hinführen auf die verschiedenen Einflüsse, die auf den schlafenden Menschen ausgeübt werden. Dasjenige, was der Mensch im Einschlafen erlebt, braucht er nur einmal genauer zu beobachten, dann kann er an sich bemerken, daß gleichsam jene innere Aktivität, jede Tätigkeit zu erlahmen beginnt, durch die er während des Tagwachens seine Glieder bewegt, durch die er alles dasjenige ausführt, was wir nennen können, mit Hilfe unserer Seele unseren Leib in Bewegung setzen. Wer ein wenig Selbstschau halten wird im Momente des Einschlafens, der wird merken, daß so etwas eintritt wie die Empfindung: Ich kann jetzt nicht mehr jene Herrschaft ausüben über meine eigenen Glieder. - Es beginnt sich der äußeren Tätigkeiten eine Art von Ohnmacht zu bemächtigen. Der Mensch wird zunächst sich unfähig fühlen, durch seinen Willen die Bewegung seiner Glieder zu lenken, und er wird im Momente des Einschlafens keine Herrschaft ausüben können über das, was wir die Sprache nennen. Das ist ja das erste, was der Mensch fühlt nach jenem wie ohnmächtigen Zustand, seine Glieder zu bewegen, daß er sich unfähig fühlt, die Herrschaft auszuüben über die Sprache. Dann fühlt der Mensch nach und nach auch, wie ihm die Möglichkeit entschwindet, mit der Außenwelt überhaupt in irgendeinen Zusammenhang zu treten. Alle die Eindrücke des Tages, sie schwinden dann nach und nach dahin. Dann hören nach und nach die Empfindungsfähigkeiten für den Geschmack und den Geruch und zuallerletzt die Fähigkeit des Hörens auf. In diesem allmählichen Ohnmächtigwerden der inneren Seelentätigkeit verspürt der Mensch das Heraustreten aus seiner leiblichen Hülle.

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Cite: GA 119/1910-03-22/p005 · edition original