Zweiter Vortrag

GA 119/1910-03-22/p009 ·1910-03-22 · original (original)
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Diese drei Einflüsse hat man nun immer in dem Forschen der Geisteswissenschaft voneinander unterschieden, und wir müssen innerhalb des Seelenlebens des Menschen drei Gebiete annehmen, welche so sind, daß das eine Gebiet mehr dem einen, das zweite Gebiet mehr dem zweiten und das dritte mehr dem dritten Einfluß unterliegen kann. Die Seele des Menschen ist also ein dreigeteiltes Wesen, denn sie kann dreierlei Einflüssen unterliegen. Nun bezeichnet man denjenigen Teil der menschlichen Seele, welcher dem ersten charakterisierten Einfluß unterliegt, der überhaupt die menschliche Seele heraustreibt aus den Leibeshüllen, in der Geisteswissenschaft als die Empfindungsseele. Denjenigen Teil der Seele, auf welchen sich der Einfluß geltend macht, der an zweiter Stelle charakterisiert worden ist, der die Traumbilder hereindrängt in das menschliche Seelenleben während der Nacht, den bezeichnet man als Verstandes- oder Gemütsseele. Und denjenigen Teil der menschlichen Seele, der also für die meisten Menschen überhaupt seine eigenartige Natur im Schlafesleben gar nicht kundgibt, weil die beiden anderen Einflüsse überwiegen, bezeichnet man als Bewußtseinsseele. So haben wir während der Schlafenszeit des Menschen drei Einflüsse zu unterscheiden, und die drei Glieder des Seelenlebens, die diesen drei Einflüssen unterliegen, unterscheiden wir als Empfindungsseele, als Verstandes- oder Gemütsseele und als Bewußtseinsseele. Wenn also der Mensch durch die eine Macht, die wir geschildert haben, in den traumlosen ruhigen Schlaf versetzt wird, dann geschieht aus der Welt heraus, in die er eintritt, ein Einfluß auf seine Empfindungsseele. Wenn der Mensch seinen Schlaf durchsetzt erhält mit den Bildern der Traumwelt, dann geschieht ein Einfluß auf seine Verstandesoder Gemütsseele, und wenn er gar anfängt, in der Nacht zu sprechen oder aus dem Schlafe heraus zu handeln, dann geschieht ein Einfluß auf seine Bewußtseinsseele.

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