Zweiter Vortrag
Wenn wir uns eine Zeichnung davon machen wollen, so können wir dies so machen. Ich bemerke ausdrücklich, daß das eine schematische Zeichnung sein soll. Ich will den Moment des Einschlafens, den Moment, wo der Mensch herausgetrieben wird in das Unbewußtsein hinein, dadurch bezeichnen, daß ich hier einen Punkt setze, und das Hineinbegeben in den Schlafzustand dadurch, daß ich eine Linie nach oben zeichne, und das Aufwachen am Morgen wie ein Zurückkommen aus dem Zustande, in dem der Mensch während : der Nacht ist. Den Gang des Lebens während des Tages würde ich dann mit dieser unteren Linie bezeichnen und das Hineingehen wiederum in den Schlafzustand mit dieser Linie, so daß wir mit dieser Schleifenlinie charakterisiert haben würden zunächst den Zustand des Wachens, dann den Zustand des Schlafens. Der obere Teil soll den Zustand des Schlafens bezeichnen, der untere den des Wachens. Dann können wir, wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, sagen, es wirkt aus der geistigen Welt heraus hier eine Kraft, die uns hineinzieht; die wollen wir bezeichnen mit dem ersten Drittel dieser Linie. Wenn wir in Träume verfallen, wollen wir den Einfluß, der dann auf unsere Verstandes- oder Gemütsseele ausgeübt wird, mit dem zweiten Drittel der Linie bezeichnen. Jenen Zustand, wo eine Kraft wirken würde auf die Bewußtseinsseele, diesen dritten Einfluß, den würden wir bezeichnen mit dem dritten Teile des Viertels der gesamten Linie. Wir würden dann gleichsam am Morgen dieselbe Kraft haben, die uns hier hineingezogen hat, wie eine uns aus dem Schlafleben herausstoßende und in das Tagesleben hineinführende Kraft. Das würde entsprechen derselben Kraft, die auf die Empfindungsseele wirkt. Und in derselben Weise würden wir hier haben jene Kraft, die auf die Verstandes- oder Gemütsseele wirkt. Und hier der ganze Raum, sowohl der erste wie der zweite Teil, würde den Einfluß auf die Bewußtseinsseele bedeuten. So daß der Mensch während der Nacht sozusagen eine Art von Kreislauf durchläuft. Indem er sich vom Einschlafen gleichsam in die Mitte jenes Zustandes bewegt, die zwischen Einschlafen und Aufwachen liegt, bewegt er sich jenem Einfluß zu, wo am stärksten wirkt die Kraft auf seine Bewußtseinsseele. Von jenem Punkt ab bewegt er sich wieder der Kraft entgegen, die wiederum auf seine Empfindungsseele wirkt und ihn in den Wachzustand zurückbringt.
Cite:
GA 119/1910-03-22/p011 · edition original