Zweiter Vortrag

GA 119/1910-03-22/p015 ·1910-03-22 · original (original)
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Nun gibt es aber auch solche Einflüsse, die während des Tages auf die Bewußtseinsseele wirken. Was ist denn eigentlich für ein Unterschied zwischen Empfindungsseele und Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele? Nun, die Empfindungsseele macht sich geltend, wenn wir die Dinge der Außenwelt einfach anglotzen. Entziehen wir uns für eine Weile den Eindrücken der Außenwelt, geben wir nicht acht auf sie und verarbeiten wir sie, dann sind wir hingegeben unserer Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn wir jetzt das Verarbeitete nehmen und uns wiederum der Außenwelt zuwenden und zu ihr in Beziehung setzen, indem wir übergehen zu Taten, dann sind wir hingegeben unserer Bewußtseinsseele. Wenn Ihnen zum Beispiel hier der Blumenstrauß vor Augen steht: Solange Sie ihn bloß anschauen und das Weiß der Rose in Ihnen Gefühle auslöst, so lange sind Sie hingegeben Ihrer Empfindungsseele. Wenn ich nun aber das Auge abwende und gar nicht mehr den Blumenstrauß sehe, sondern darüber nachdenke, dann bin ich hingegeben meiner Verstandes- oder Gemütsseele; da verarbeite ich die Eindrücke, die ich erhalten habe, durch Kombination. Wenn ich jetzt deshalb, weil mir der Blumenstrauß gefallen hat und ich die Eindrücke, die er auf mich gemacht hat, verarbeitet habe, mir sage, ich möchte jemandem eine Freude damit machen, wenn ich ihn dann nehme und also zur Tat übergehe, dann gehe ich aus der Verstandes- oder Gemütsseele heraus, dann trete ich über in die Bewußtseinsseele, da trete ich wiederum mit der Außenwelt in Beziehung. Und das ist eine dritte Kraft, die im Menschen sich geltend macht, die ihn befähigt, nicht nur in sich zu verarbeiten die Eindrücke der Außenwelt, sondern wieder mit der Außenwelt in Beziehung zu treten.

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