Zweiter Vortrag
Vorher will ich noch sagen, daß der Gedanke, als ob sich dieses Planetensystem selbst aufgebaut hätte, sehr leicht zu widerlegen ist. Sie haben ja alle erlebt, daß Ihnen in der Schule die Entstehung des Planetensystems dargestellt worden ist. Es ist Ihnen da etwa gesagt worden: Da war einmal ein riesiger Weltennebel ins Rotieren gekommen, und dann hat sich abgespalten in der Mitte die Sonne und rings herum die Planeten. - Wie könnte auch jemandem ein Zweifel daran kommen, daß die Geschichte so entstanden ist, wie es gelehrt wird in den Schulen, da man die Sache experimentell zeigt. Man zeigt so hübsch, nicht wahr, wie man ein kleines Tröpfchen von irgendeiner Substanz nimmt; man schneidet ein kleines Blatt, das durchgelegt werden kann durch die Äquatorebene des Tropfens, steckt dann von oben eine Stecknadel hinein und bringt das Ganze in eine Flüssigkeit, in der es schwimmt, und versetzt es durch die Stecknadel ins Rotieren. Da kann man sogar zeigen, wie durch das Rotieren die äußeren Tröpfchen sich abspalten, wie in der Mitte ein größerer Tropfen bleibt und wie die kleineren um diesen herumrotieren. Da kann man natürlich sehr leicht zeigen: Nun ja, da haben wir ja die Sache ganz im kleinen; wir haben ein Planetensystem dargestellt! - Wie sollte jemand zweifeln daran, daß das im großen so geschehen ist? Derjenige allerdings, der gewissermaßen ein Spitzbube wäre, der würde sagen: Aber verehrter Herr Lehrer, Sie haben eines vergessen, Sie haben ja etwas vergessen, was ja sonst sehr schön ist zu vergessen, aber in dem Falle geht es halt nicht, Sie haben sich selber vergessen. Schön, Sie haben ja da oben gedreht! - Man dürfte logischerweise nicht das Allerwichtigste vergessen. Man müßte mindestens voraussetzen, daß ein riesiger Herr Lehrer im Weltenraume säße und das ganze Sonnensystem zum Rotieren gebracht hätte. Denn man wird logischerweise bei der Anwendung des Vergleiches nicht etwas weglassen dürfen, was wesentlich ist zum Zustandekommen der Sache. Das ist ganz klar. Also weist das Experiment hin auf etwas, das außer der Sache liegt. Daraus können wir also schon schließen, daß hinter demjenigen, was da rotiert im Weltenraume draußen, was da geschieht für das äußerliche Auge, etwas steht. Geradeso wie der Herr Lehrer hinter dem rotierenden Öltropfen steht beim Experimente, so stehen eben Kräfte und Mächte hinter dem ganzen Weltengebäude, das wir da in unserem Sonnensystem vor uns haben.
Cite:
GA 119/1910-03-22/p023 · edition original