Zweiter Vortrag

GA 119/1910-03-22/p025 ·1910-03-22 · original (original)
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Und nun wollen wir dieses Sonnensystem einmal sozusagen äußerlich betrachten. Da brauchen wir uns nur einmal in der Mitte die Sonne aufzuzeichnen. Wir lassen zunächst die Erde herumrotieren. Von Einzelheiten will ich absehen. Wir wissen, daß die Erde im Laufe eines Jahres also um die Sonne diese Bewegung ausführt. Wir wissen nun aber auch, daß unsere Erde zu einer bestimmten Zeit des Jahres zum Beispiel hier steht und zu einer bestimmten Zeit hier. Wir wissen dann, daß um die Erde herum rotiert der Mond. Also ich werde hier den Mond zeichnen. Wir wissen ferner, daß näher der Sonne herumrotiert derjenige Körper, den man gewöhnlich als Merkur bezeichnet, dann derjenige, den man als Venus bezeichnet. Wir wissen dann, daß ferner außerhalb unserer Erde herumrotieren die Körper, die man bezeichnet als Mars - die Verhältnisse sind natürlich nicht richtig, darauf kommt es aber hier nicht an -, als Jupiter, als Saturn (siehe Zeichnung). Die anderen Planeten wollen wir heute einstweilen unberücksichtigt lassen. Und jetzt nehmen wir einmal den Stand der Erde so, wie das natürlich sehr selten der Fall sein wird, daß die Erde bei ihrem Gang um die Sonne so liegt, daß die Sonne hier ist und die Erde hier, daß dann weiter von der Erde und von der Sonne entfernt sich befinden Mars, Jupiter und Saturn. Wenn wir nun annehmen, daß unsere Erde gerade so steht, daß sie zwischen Mars und Sonne zu stehen kommt, dann haben wir uns zu denken, daß in dem Raum zwischen Erde und Sonne enthalten sind dasjenige, was man gewöhnlich nennt Venus, und dasjenige, was man nennt Merkur. Ich möchte ausdrücklich hervorheben, daß in bezug auf die Bezeichnung dieser beiden Planeten im Laufe der Zeit eine Umänderung stattgefunden hat. Was man heute Merkur nennt, wurde früher Venus genannt, und was man heute Venus nennt, wurde früher Merkur genannt. Daher müssen Sie sich diese Bezeichnungen also umgekehrt denken, so daß das den heutigen Bezeichnungen nicht mehr entspricht. Man muß dasjenige, was der Sonne näher liegt, als Venus bezeichnen, was ihr ferner liegt, als Merkur. Dann kommt der Mond. Wenn Sie sich aber jetzt denken würden die andere Stellung, so daß die Erde auf die andere Seite der Sonne zu liegen kommt (Stellung der Erde wie auf Zeichnung D), so würden Sie, wenn Sie von der Erde zur Sonne gehen, zunächst den Mond bekommen, dann dasjenige, was nach der alten Bezeichnung Merkur ist, dann - nach der alten Bezeichnung - Venus, dann weiter jenseits der Sonne Mars, Jupiter und Saturn. Und Sie würden nun, wenn Sie diese Aufeinanderfolge betrachten und die Erde weglassen, von der Sonne ausgehend nach der einen Seite Venus, Merkur, Mond, nach der anderen Seite Mars, Jupiter, Saturn haben. Sie können nun, wenn Sie diese verschiedenen Körper verbinden, so daß die Sonne den Kreuzungspunkt bezeichnet, dieselbe Schleifenlinie bekommen, die ich früher als die schematische Linie für die Tageserlebnisse des Menschen bezeichnet habe. Das heißt, es gibt eine mögliche Stellung im Sonnensystem, wo die verschiedenen Planeten so angeordnet sind, daß sie eine Raumanordnung angeben, die genau entspricht dem Schema des Tageslaufes des Menschen, wenn man den Moment des Aufwachens und des Einschlafens als den Kreuzungspunkt bezeichnet.

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Cite: GA 119/1910-03-22/p025 · edition original