Zweiter Vortrag
So also können wir merkwürdigerweise in unser Planetensystem dieselben Verhältnisse einzeichnen, welche wir schematisch einzeichnen könnten in den Tageslauf des Menschen. Und da können Sie jetzt vorläufig eine Perspektive gewinnen, daß der Anordnung unseres Planetensystems gewaltige Kräfte zugrunde liegen können wir sagen heute vorläufig: können -, welche das ganze große System, diese große Weltenuhr, so regeln im Raum, wie sich in der Zeit im Verlaufe von vierundzwanzig Stunden unser persönliches Leben regelt. Und es wird Ihnen dann der Gedanke nicht mehr absurd erscheinen, daß im Makrokosmos gewaltige, große Kräfte wirklich analog sind den Kräften, die uns einschlafen und aufwachen machen, die uns während des Tages und der Nacht leiten. Und aus einem solchen Gedanken heraus ist in der alten Wissenschaft entstanden die ähnliche Benennung der Planeten mit den Kräften, die auf uns selber wirken, indem man sagte: Die Kraft, die da draußen im Makrokosmos, in der großen Welt den Mars herumtreibt um die Sonne, hat Ähnlichkeit, ist von verwandtem Charakter mit derjenigen Kraft, die uns einschlafen macht. Die Kraft, welche den Jupiter herumtreibt, ist ähnlich der Kraft, welche in die Verstandesseele die Träume sendet. Diejenige Kraft, welche draußen im Makrokosmos die Venus herumtreibt, ist verwandt mit der Kraft, welche unsere Empfindungsseele während des Tages regelt. Der weit entfernte, daher schwach hereinwirkende Saturn, er nimmt sich aus in seiner Wirkung im Raume des Sonnensystems ähnlich wie jene schwache Kraft, die nur in besonderen Fällen zur Auswirkung kommt auf die Bewußtseinsseele, die nur wirkt bei dem Nachtwandler. Und der der Erde ganz nahe stehende Mond, er wird von einer Kraft herumgetrieben um unsere Erde, welche ähnlich ist der Kraft, die uns selber regelt bei unseren bewußsten Taten des Tageslebens, die eigentlich diejenigen sind, welche uns am allernächsten liegen. Da haben Sie schon äußerliche Anhaltspunkte, daß die Raumesentfernungen etwas bedeuten, was sich ausdrückt in unserem eigenen zeitlichen Menschenleben wie stärkere und schwächere Wirkungen. Wir werden in viel tiefere Verhältnisse in bezug auf diese Dinge eindringen, heute sollte nur die Aufmerksamkeit darauf hingelenkt werden. Wenn Sie aber nur oberflächlich in Betracht ziehen, daß der Saturn der am weitesten entfernte Planet ist, der die geringste Wirkung auf unsere Erde hat, so können Sie das damit vergleichen, wie die dunklen Saturnkräfte nur schwach wirken auf den schlafenden Menschen. Und dasjenige, was Kraft ist, die den Jupiter herumtreibt um die Sonne, das ist etwas, was in bezug auf die Entfernung von der Sonne sich auch vergleichen läßt mit demjenigen, was ja auch verhältnismäßig selten in unser Leben hereintritt, die Traumeswelt. Da haben Sie ein merkwürdiges Entsprechen desjenigen, was Menschenleben ist, was Tagesmenschenleben ist, zu demjenigen, was sich draußen im Raume abspielt in der großen Weltenuhr, was als Kraft wirkt in dem Umtreiben der einzelnen Planeten um ihre Sonne. Wir haben ein Entsprechen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos.
Cite:
GA 119/1910-03-22/p027 · edition original