Erster Vortrag
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was mit ihm geschieht, nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurückgeht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurückfällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.
Cite:
GA 120/1910-05-16/p009 · edition original