Erster Vortrag
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einer Tröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.
Cite:
GA 120/1910-05-16/p019 · edition original