Erster Vortrag

GA 120/1910-05-16/p033 ·1910-05-16 · original (original)
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Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben, wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später eindringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hinausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen? Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:

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