Dritter Vortrag
Nun können wir die Frage aufwerfen: Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen — und wenn wir das Menschenreich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Atherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Atherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Atherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Atherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Atherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Atherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtere Verbindung zwischen Atherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen — also was in der physischen Natur ist — wieder zurück auf den Ätherleib.
Cite:
GA 120/1910-05-18/p022 · edition original