{"corpus":"steiner","locus":"GA 120/1910-05-18/p028","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Atherleib? — Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! — und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, so daß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1910-05-18","location":null,"word_count":294,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/120/1910-05-18/p028","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/120/1910-05-18/p028"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/120/1910-05-18/p028","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}