Vierter Vortrag
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.
Cite:
GA 120/1910-05-19/p022 · edition original