Vierter Vortrag

GA 120/1910-05-19/p023 ·1910-05-19 · original (original)
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Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwinder und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt — weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußstsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. — Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.

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Cite: GA 120/1910-05-19/p023 · edition original