Sechster Vortrag
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt er sich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend in unserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben. Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir im Wachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen umgibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt ausfließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.
Cite:
GA 120/1910-05-21/p010 · edition original