Sechster Vortrag
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erdenzeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das höchste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutige Traumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den verschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.
Cite:
GA 120/1910-05-21/p015 · edition original