Achter Vortrag

GA 120/1910-05-25/p012 ·1910-05-25 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewissen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Anderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat, hineingesenkt wird in jene Welten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/120/1910-05-25/p012.json
Cite: GA 120/1910-05-25/p012 · edition original