{"corpus":"steiner","locus":"GA 121/1910-06-16/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Scheinbar liegen weit ab von dem mythologischen Gebiet die Philosophien Mitteleuropas, diese Philosophien, welche Fichte, Schelling und Hegel noch im neunzehnten Jahrhundert vertraten. Dennoch sind sie nichts anderes, als das Resultat des sublimiertesten alten Hellsehens, des im Innern des Menschen eroberten Zusammenarbeitens mit göttlich-geistigen Mächten. Unmöglich hätte sonst ein Hegel in seinen Ideen Realitäten sehen können, unmöglich hätte ein Hegel den sonderbaren Ausspruch tun können, der ihn so sehr charakterisiert, indem er auf die Frage: «Was ist das Abstrakte?» antwortet: «Das Abstrakte ist zum Beispiel ein einzelner Mensch, der seine täglichen Verrichtungen tut, nehmen wir an: ein Zimmermann.» Dasjenige also, was für den Abstraktling etwas Konkretes ist, das war für Hegel etwas Abstraktes. Das, was für den Abstraktling nur Gedanken sind, das waren für ihn große, gewaltige Werkmeister der Welt. Die Ideenwelt Hegels ist der letzte sublimierteste Ausdruck der Bewusstseinsseele und enthält in reinen Begriffen das, was der nordische Mensch noch als sinnlich-übersinnliche, göttlich-geistige Mächte gesehen hat in Verbindung mit dem Ich. Und als bei Fichte das Ich zum Ausdruck kam, da war es nichts anderes als der Niederschlag dessen, was der Gott Thor der menschlichen Seele gegeben hat, von Fichte nur gesehen aus der Bewußtseinsseele, in dem scheinbar ärmsten Gedanken, dem Gedanken «Ich bin», von dem die Fichtesche Philosophie ausgeht. Eine gerade Entwickelungslinie geht von der Begabung des alten nordischen Volkes mit dem Ich ausströmend durch den Gott Thor oder Donar aus der Geistwelt bis in diese Philosophie. Dieser Gott hatte das alles vorzubereiten für die Bewußtseinsseele, damit sie einen ihr angemessenen Inhalt habe, denn sie ist darauf angewiesen, in die äußere Welt hineinzuschauen und innerhalb dieser Welt zu wirken. Aber diese Philosophie findet nicht bloß die äußere, grobsinnliche, materialistische Erfahrung, sondern sie findet den Inhalt der Bewußtseinsseele selber in der äußeren Welt und sieht die Natur nur an als die Idee in ihrem Anderssein. Nehmen Sie diesen fortwirkenden Impuls, so haben Sie darin die Mission der germanisch-nordischen Völker in Mitteleuropa.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1910-06-16","location":null,"word_count":322,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/121/1910-06-16/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/121/1910-06-16/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/121/1910-06-16/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1910-06-16_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}